Klaus Baum: Notizen aus der Unterwelt.

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Ehemaliger US-Botschafter über Ukraine — 9. September 2014

Ehemaliger US-Botschafter über Ukraine

taz: Herr Matlock, zur Zeit Gorbatschows waren Sie US-Botschafter in Moskau. Wo haben Sie damals Russlands künftigen Platz gesehen?
Jack Matlock: Als wir den Kalten Krieg beendet und politisch dabei geholfen haben, Osteuropa zu befreien, war klar, dass wir Russland für ein freies und vereintes Europa einbeziehen müssen. Wir wussten auch, wenn man ein Instrument des Kalten Krieges – die Nato – in dem Moment vor bewegt, wo die Barrieren fallen, schafft man neue Barrieren in Europa. Und genau das ist jetzt geschehen. Wenn wir Frieden wollen, dann sollten Russland, die Ukraine und die Länder Ost- und Westeuropas in einer einzigen Sicherheitsgemeinschaft sein.

Mehr hier:

http://www.taz.de/Ex-US-Botschafter-ueber-Ukraine-Krise/!145581/

Unter der Dusche ist mir doch noch etwas eingefallen — 8. September 2014

Unter der Dusche ist mir doch noch etwas eingefallen

Ich hatte vor Wochen Kritisches über den Begriff Putinversteher und dessen Verwendung geschrieben. Verstehen ist ja von seiner Bedeutung her positiv besetzt. Das wird jeder Lehrer bestätigen können. Noch erfreulicher ist, wenn jemand Zusammenhänge versteht, wenn er begreift, wie etwas zustande kommt, wie sich Handlungen, Aktionen und Reaktionen verzahnen. Im Verstehen ist das Moment der Kausalität enthalten, man weiß als Versteher woraus bestimmte Handlungsweisen entspringen. Reize ich jemand bis aufs Blut, muss ich mich nicht wundern, wenn der Gereizte mir eine scheuert. Wenn also im Westen der Begriff Putinversteher pejorativ besetzt wird, dann sagen die Propagandisten, dass es da etwas zu verstehen gibt, und zwar die Gereiztheiten Putins, die der Westen zu verantworten hat. Sprache bleibt auch hier wieder verräterisch, denn indem man etwas Positives zu etwas Negativem ummünzt, will man seine eigenen Anteile an den Reaktionen aus Moskau kaschieren. Ein Versteher versteht die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, in die der Westen ursächlich verstrickt ist. Was anderes wäre, spräche man vom Putin-Rechtfertiger.

Bitte selber weiterdenken.

PS.: In dem Schneewestern von Corbucci Il Grande Silencio (Leichen pflastern seinen Weg) mit Trintignant und Kinski reizt der Gute (Trintignant) den bösen Kopfgeldjäger (Kinski) in einer Kneipe, er wirft ihm ein Zigarillo ins Bier, und Kinski reagiert darauf so: “Ich lasse mich von dir nicht provozieren, du willst, dass ich zu meinem Revolver greife, um mich dann legal erschiessen zu können.”

Putin hat sich provozieren lassen.

Die Kinder des Holocaust — 6. September 2014

Die Kinder des Holocaust

Über sie lief am 5. 9. 2013 eine Sendung auf Deutschlandfunk. Ich möchte daraus eine “Szene” zitieren. Einer, der als Kind Auschwitz überlebt hatte, reist als Erwachsener, Jahrzehnte später nach Deutschland. Auf dem Flughafen wird er vom deutschen Zöllner mit seinem Koffer in einen Raum gebeten. Der Zöllner deutet mit der Hand auf den Koffer und sagt zu dem Reisenden: “Aufmachen!”

Dieser Mann erzählte dann in der Sendung von gestern, die Aufforderung “Aufmachen!” habe ihn an das 3. Reich erinnert, als vor seinem Versteck die Gestapo stand und ihm, dem Kind, befahl “Aufmachen!”.

Es gibt heute eine Menge Leute, die Vergleiche mit dem 3. Reich nicht mögen: der heftigste Vorwurf, wenn jemand Analogien zur Naziherrschaft sieht und zieht, ist der: Das verharmlose den Holocaust!

Ich habe meine Kindheit in der DDR verbracht. In Erholungsheimen, im Kinderheim (Villa Löwenstein in Leipzig) war es üblich, dass die Briefe, die das Kind an Mama schrieb, kontrolliert und zensiert wurden.

In der Vorbereitungszeit der DOCUMENTA IX, im Jahre 1991, hatte ich einen längeren Briefwechsel mit einem Studenten der Studienstiftung des deutschen Volkes, der immer wieder genau wissen wollte, was ihn im Führungsdienst der documenta erwartete. Ich erklärte es ihm ausführlich. Alexander Farenholtz, der Geschäftsführer, forderte mich dazu auf, mich kürzer zu fassen. Meine Assoziation war sofort: DDR-Kinderheim-Zensur.

Allerdings muss ich aus dem langen Abstand zum Jahre 1991 heute selbstkritisch hinzufügen, dass die Kritik von Alexander berechtigt gewesen sein könnte. Das heißt, ich hätte auch meine Spontanreaktion damals bereits kritisch überdenken können.

Farenholtz war schließlich kein autoritärer DDR-Funktionär, auch der Zöllner der BRD war sicher kein Gestapo-Mann, aber dennoch gibt es Assoziationen, die man Menschen nicht verbieten kann, besonders dann nicht, wenn ihr unwillkürliches Auftreten möglicherweise auf Traumatisierungen zurückgehen.

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2014/09/05/dlf_20140905_1550_05afbb67.mp3

PS.: Im übrigen, wer seinen Mitmenschen Assoziationen vorhält, hat keine Ahnung von sich selbst; er sollte dringend Proust und Beckett über Proust lesen, dort wird ihm das Phänomen der unwillkürlichen Erinnerung (involuntary memory) ausführlich beschrieben und erklärt.

 

Anders sein — 4. September 2014

Anders sein

Die Schauspielerin Thankie Newton erzählt, wie sie ihre “Andersartigkeit” fand – zunächst als Kind, das in zwei verschiedenen Kulturen aufwuchs und dann als Schauspielerin, die mit vielen verschiedenen Personas spielte. Ein warmer, weiser Vortrag, frisch von der Bühne von TEDGlobal 2011.

 

Thandie Newton: Andersartigkeit annehmen, mich selbst annehmen

http://www.ted.com/talks/thandie_newton_embracing_otherness_embracing_myself?language=de

das hammerzitat der woche —

das hammerzitat der woche

>>”Gegen die Natur des Menschen”

 

Dennoch müsse sich die deutsche Bevölkerung daran gewöhnen, auch harte Auseinandersetzungen zu führen: In Deutschland habe sich der Glaube breitgemacht, “dass man alle Konflikte mit Verhandlungen und Gesprächen lösen kann. Aber das ist gegen die Natur des Menschen”, sagte Naumann und sprach in diesem Zusammenhang von “käßmannschem Unsinn” – in Bezug auf die frührere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann.<<

 

Ich bekenne der Dekontextualisierung schuldig, also des Tatbestands, einen Satz aus dem Zusammenhang gerissen zu zitieren.

Dennoch sollte man hinzufügen, dass der Begriff “Natur des Menschen” in der Philosophie eher negativ besetzt ist, zum Beispiel im Begriff der Naturwüchsigkeit.

– Schiller reflektiert die Natur des Menschen im Kontext des 30jährigen Krieges und entwickelt in seinen Briefen zur ästhetischen Erziehung des Menschen ein gegensätzliches Menschenbild, ein, wenn man so will, idealistisches.

– Die gesamte Philosophie der Frankfurter Schule, ihr Denken, war der Überwindung der Naturwüchsigkeit gewidmet.

Das heißt, gesellschaftskritische Philosophie ist nicht naiv oder blind gegenüber der Realität, sondern sie reflektiert sie minutiös und entwickelt Vorstellungen, wie es anders sein könnte.

Es ist ein Unterschied, ob man über die Natur des Menschen als zu Zähmendes spricht oder ob man sie unveränderbare Konstante des Handelns voraussetzt.

Man soll zwar das Aussehen eines Menschen nicht gegen seine Argumente wenden, aber das Foto von Herrn Neumann auf der Deutschlandfunkseite lehrt mich das Fürchten.

http://www.deutschlandfunk.de/nato-gipfel-in-wales-militaerische-loesung-des-ukraine.694.de.html?dram:article_id=296482

Götz Eisenbergs Rezension von … — 27. August 2014

Götz Eisenbergs Rezension von …

Übernahme von

Der amerikanische Autor Dave Eggers hat einen Roman über ein fiktives, weltweit operierendes IT-Unternehmen namens Circle geschrieben, das wie eine Verschmelzung von Facebook, Apple, Google, Amazon und Twitter anmutet. Götz Eisenberg hat das Buch gelesen.

Ich möchte den Leserinnen und Lesern der Nachdenkseiten ein Buch zur Lektüre empfehlen, das ich gerade mit einer Mischung aus Faszination und Schaudern gelesen habe. Die Rede ist vom neuen Roman von Dave Eggers, welcher Der Circle heißt und dieser Tage im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. Er vermittelt uns tiefe Einblicke in die Mechanismen der Kontrollgesellschaft und eine digitale Zukunft, die in den USA – und nicht nur dort – bereichsweise schon Gegenwart sind. Im Zentrum des Romans steht ein weltbeherrschendes IT-Unternehmen, das wie aus Google, Amazon, Facebook und Twitter zusammengesetzt scheint. Circle hat einen Anteil von 90 Prozent am Suchmaschinenmarkt, 88 Prozent am Freemail-Markt, 92 Prozent am SMS-Markt. Wer hier Einlass findet – und Mae Holland, die Hauptfigur des Romans – erlebt das als Erfüllung ihrer kühnsten Träume und wie die Erhebung in den digitalen Adelsstand -, betritt eine Transparenz-Hölle mit der Pflicht zu ständiger guter Laune und Gesundheit. Das Smiley und das Service-Lächeln beherrschen die Kommunikation mit den Kunden und den Umgang untereinander. Alle sind permanent „gut drauf“, wer es nicht ist, erregt Verdacht. Die Mitarbeiter der von Eggers erfundenen Firma Circle tragen samt und sonders Armbänder, die permanent Daten über den Körper erheben und an eine Gesundheitszentrale senden, die sie auswertet. Ein in den Körper aufgenommener Sensor sammelt Daten über Herzfrequenz, Blutdruck, Cholesterin, Wärmefluktuation, Kalorienverbrauch, Kalorienaufnahme, Schlafdauer, Schlafqualität, Verdauungseffizienz und so weiter. In der Firma läuft ein Entwicklungsprojekt, das mit Hochdruck daran arbeitet, das Mäandern der Träume zu begradigen und den Schlaf dem Prinzip der Nützlichkeit und Effizienz zu unterstellen. Wir sollen nachts nicht länger wunsch- und lustbetont umherschweifen, sondern weiter an Problemlösungen arbeiten. Alle vierzehn Tage werden alle Mitarbeiter in die firmeneigene Klinik zum Check einbestellt. Die „Work-Life-Balance“ eines jeden wird ständig kontrolliert. Es soll auf diesem Weg zu ernsten Krankheiten gar nicht erst kommen. Die Rundum-Überwachung der Welt und die universelle Sichtbarkeit und Transparenz sollen die Kriminalität und den Kindesmissbrauch zum Verschwinden bringen. Kinder werden serienmäßig mit Chips ausgestattet, die ihre ständige Ortung und Überwachung ermöglichen. Die ganze Welt wird mit winzigen Kameras verwanzt. Von überall aus kann man sehen, was auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking los ist, ob beim Lieblings-Italiener Platz ist oder das Fitnesscenter überfüllt ist. Mae, die Heldin des Romans, wird gelegentlich vor irgendwelche Kontrollgremien geladen und muss sich rechtfertigen, warum sie an irgendwelchen Events nicht teilgenommen und sich der Circle-Gemeinschaft entzogen hat, die wie eine religiöse Sekte organisiert ist. Arbeit und Leben bilden eine Einheit, die Circler arbeiten, essen, feiern gemeinsam, sie suchen firmeneigene Fitnesscenter auf und kaufen in Läden ein, die zu Circle gehören. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nächtigen in einem Wohnheim, dass sich auf dem „Campus“ befindet.

„Alles sehen. Immer“, „Alles, was passiert, muss bekannt sein“, lauten zwei der Firmen-Maximen. Alle sind von zig Bildschirmen umgeben, jeder überwacht jeden, jeder ist sein eigenes Panoptikum, und alle erleben diese Überwachung als intimste ihrer Leidenschaften. Die Mitglieder von Circle konkurrieren in einem ständigen Ranking miteinander und erleben ihren Aufstieg von Platz 4798 auf 3879 der Firmenhierarchie als größtes Glück. Alle sind „fokussiert“ und „organisiert“ und voll bei der Circle-Sache, die sie zu ihrer eigenen gemacht haben. Auf einer großen Firmen-Versammlung erklärt sich die Kongressabgeordnete Olivia Santos bereit, als erste Politikerin ab sofort eine ständig laufende Kamera an ihrem Körper zu tragen, die jede ihrer Besprechungen, jede ihrer Bewegungen, jedes Wort von ihr der Öffentlichkeit zugänglich macht. Nur so lasse sich das Ziel vollständiger Transparenz in der Politik verwirklichen. Wer sich unter diesen Bedingungen nicht mir ihr treffen wolle, könne sich eben nicht mit ihr treffen. Santos löst durch ihr Pilotprojekt eine wahre Transparenz-Stampede unter Politikern aus. Wer es ablehnt, sich mit einer Circle-Kamera ausstatten zu lassen, gilt als jemand, der Transparenz scheut: „Wenn du nicht transparent bist, was hast du zu verbergen?“

Irgendwann wird Mae Holland ausgewählt, selbst eine dieser Minikameras zu tragen und das Ideal der Transparenz für alle Circle-User vorzuleben. Vor einem begeistert akklamierenden Publikum verkündet sie die Circle-Leitsätze: „Geheimnisse sind Lügen“ und „Alles Private ist Diebstahl“. Mae glaubt an das, was sie da verkündet. Zwischen ihr und dem Programm der Unternehmensführung, die Eggers die „drei Wiesen“ nennt, gibt es eine vollständige Übereinstimmung. „Geheimnisse führen zu antisozialem, unmoralischem und destruktivem Verhalten.“

Als Mae ihre Eltern besucht, trifft sie dort ihren ehemaligen Freund Mercer an, der in ihrem Heimatort geblieben ist und weiter Kronleuchter herstellt und verkauft und das Auslaufmodell der Realökonomie und des analogen Menschen verkörpert. „Wenn die Kunden sie ordern, stelle ich sie her und werde dafür bezahlt. Wenn ein Kunde anschließend etwas zu sagen hat, kann er mich anrufen oder mir schreiben. Ich meine, das ganze Zeug, mit dem du zu tun hast, das ist alles Klatsch und Tratsch.“ Mae hatte in ihrem Heimatort bei den Strom- und Gaswerken gearbeitet, ein Job, der ihr inzwischen wie der Inbegriff provinzieller Mittelmäßigkeit vorkommt und dessen sie sich schämt. Mercer spürt, dass Mae in eine andere Welt eingetaucht ist und sich ihm entfremdet hat. Durch seinen Mund artikuliert sich die alte Welt, wo Menschen richtige Dinge herstellten und in leiblicher Anwesenheit miteinander sprachen. „Kein Mensch braucht diese Menge an Kontakt, die ihr ermöglicht. Das verbessert nichts. Es ist nicht gesund. Es ist wie Junkfood.“

Eggers schreibt engagierte Literatur. In seinem im Jahr 2008 auf Deutsch erschienenen Roman Weit gegangen schildert er die Odysse des Valentino Achak Deng, der mit sieben Jahren aus seiner Heimat Sudan flieht und über Äthiopien und Kenia schließlich in den USA landet, wo Eggers ihn kennenlernt und ihm zuhört. In dem Roman Zeitoun erzählt Eggers die Geschichte des aus Syrien stammenden Abdulrahman Zeitoun, der nach dem Hurrikan Katrina ohne eigenes Zutun und vollkommen unschuldig ins Visier der amerikanischen Terror-Fahnder gerät und Mühe hat, sich ihrem Zugriff wieder zu entziehen. Im Roman Ein Hologramm für den König erzählt Eggers die Geschichte von Alan Clay, der im Auftrag eines großen amerikanischen Telekommunikations-Unternehmens mit einem Team von Mitarbeitern in die Wüste Saudi-Arabiens entsandt worden ist, um eine von König Abdullah geplante Retortenstadt mit einem IT-System auszustatten und schließlich von chinesischen Billiganbietern ausgebootet wird. In all diesen Büchern bewegt sich Eggers dicht an der gesellschaftlichen Realität der Gegenwart. Er will aufklären, uns die Augen öffnen und etwas bewirken. Ob das, was dabei herauskommt, große Kunst ist, ist dabei zweitrangig. Es gibt sicher Schriftsteller, die eleganter formulieren. Eggers pfeift auf die Gebärde, die man Stil nennt. Es geht ihm in erster Linie um die Inhalte, nicht um die Schönheit und den Wohlklang der Sätze. Jörg Häntzschel hat in der Süddeutschen Zeitung moniert, Eggers schildere die Zukunft mit den erzählerischen Mitteln der Vergangenheit. Woher sollen wir die Maßstäbe unseres Urteilsvermögens und der Kritik beziehen, wenn nicht aus der Erfahrung der Differenz und Ungleichzeitigkeit? Nur der, der erinnert, dass es einmal anders war, kann sich eine Zukunft vorstellen, die mehr ist als die Verlängerung unserer trostlosen Gegenwart. Alles wird gegenwärtig von der marktwirtschaftlichen Furie des Verschwindens ergriffen. Was einem bleibt, ist, sich zum Chronist des Verschwindens und der Zerstörung zu machen, oder man spitzt die Tendenzen der Gegenwart bis zur Kenntlichkeit zu, in der Hoffnung, dass diese Beschreibung Nachdenken und Widerstand auslöst. Wer in der digitalen Welt aufgewachsen ist, wer schon als Dreijähriger irgendwelche Kinder-Apps auf seinem Tablet-Computer hatte und mit den Fingern auf dem Smartphone herumgewischt hat, wird sich irgendwann über nichts mehr wundern und diese Welt für die einzig mögliche halten. Die Differenz ist getilgt, die Ungleichzeitigkeit ist der Gleichzeitigkeit gewichen, die keinen Dissens mehr aufkommen und jede Kritik verstummen lässt. Wir werden uns also ranhalten müssen, denn viel Zeit wird uns nicht bleiben. In ein paar Jahren, schreibt Imre Kertész in seinem Buch Ich – ein anderer, „wird sich alles, alles ändern – die Menschen, die Häuser, die Straßen; die Erinnerungen werden eingemauert, die Wunden zugebaut sein, der moderne Mensch mit seiner berüchtigten Flexibilität wird alles vergessen haben, wird den trüben Bodensatz seiner Vergangenheit wegfiltern, als wär’s Kaffeesatz.“

Dave Eggers, Der Circle, Aus dem amerikanischen Englisch von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
ISBN: 978-3-462-04675-5
Erschienen am: 14.08.2014 bei Kiepenheuer & Witsch
560 Seiten, gebunden, Preis: 22,99 €

die einen bereichern sich maßlos … — 26. August 2014
ich bin nicht ganz dicht. —
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