Wärme Hitze was isses nun?

Egal, mir versengen die hohen Temperaturen das Hirn. Lustlos, kraftlos, die Welt ist in einem elenden Zustand, und ich bin müde, fühle mich wie ein Schlafwandler. Das geht gar nicht.

Was sich mir durch den dunklen Schleier meiner halben Bewußtlosigkeit zeigt, ist Verwirrung, so, als habe man die Begriffe in einem Mixer geworfen und ihn angeschaltet.

Israel, Juden, Antisemiten, Zionisten, Judenfeindlichkeit …

Woody Allen ist Jude, ich liebe seine Filme, liebe ich deshalb alle Juden?

Franz Kafka war Jude, seine Erzählungen, seine Romane, sein Tagebuch sind für mich das Größte, was es an Literatur gibt. Sind deshalb alle Juden für mich das Größte?

Die Philosophie Adornos hat mir sehr geholfen, eine einigermaßen gefestigte Persönlichkeit zu entwickeln. Ich bin Adorno dankbar. Muss ich deshalb allen Juden dankbar sein?

Netanjahu ist ein kriegerischer, tödlicher Hardliner. Ich verurteile, was er tut. Muss ich deshalb alle Juden verurteilen?

Ich werde wegen Netanjahu nicht zum Antisemiten, ich werde zu einem Anti-Netanjahu, genauer zu einem, der gegen das ist, was Netanjahu tut, was er zu verantworten hat.

Ich werde auch nicht zu einem Anti-Israeliten, ich mag dieses Töten nicht, das all seine Kritiker als Antisemiten diffamiert und sich dadurch gegen jede Kritik immunisiert.

Wer pauschal alle Kritiker der gegenwärtigen Politik der israelischen Regierung als Antisemiten diffamiert, wer also die Fähigkeit zur bestimmten Negation nicht besitzt, muss sich nicht wundern, wenn auch

auf der Gegenseite die Fähigkeit zur Differenzierung fehlt. Die Politik Netanjahus erzeugt jenen undifferenzierten Antisemitismus, über den er sich dann aufregt.

 

Gerald Hüther

Ich habe kein 1,0-Abitur gemacht (Link siehe Teil 7), mich aber schon während der Schulzeit begeistert für alle Darstellungen und Reflektionen des unglücklichen Bewußtseins. Im Studium hat mich besonders jene Philosophie interessiert und gefesselt, die Zustände der Trauer, der Verzweiflung oder – ihre mildere Form – der Melancholie thematisierte.

In der Phänomenologie des Geistes widmet Hegel dem unglücklichen Bewußtsein ein Kapitel und Adorno repräsentiert – so  Gillian Rose – “The Melancholic Science”.  Mich haben keine Käfer und keine Schmetterlinge zum Lernen angespornt, sondern die Traurigkeit eines Kafka, die Absurdität Becketts oder der zutiefst melancholische Pierrot von Robert Walser, der auf einem Fest in der Ecke sitzt und den Freudetrunkenen die Laune verdirbt.

Mich haben Sätze begeistert, wie jener von Walter Benjamin über Robert Walsers literarische Personen: ‘Walsers Figuren kommen aus der Nacht, da, wo sie am schwärzesten ist, einer venezianischen vielleicht, von dürftigen Lampions der Hoffnung erhellt, mit etwas Festglanz im Auge, aber zum Weinen traurig.’

Frauenwahlrecht

Nach Ende des 1. Weltkrieges, so erfuhr ich heute morgen aus dem Deutschlandfunk, sei das Frauenwahlrecht eingeführt worden. Dies sei eine Errungenschaft, das Frauenwahlrecht. Und wozu führte das? Dazu, dass die Merkel schon seit tausend gefühlten Jahren regiert.

MH 17 (5) (Finde den Fehler!)

Ursprünglich veröffentlicht auf Kritik und Kunst:

Spiegel-Online:

Russische Rebellen in der Ostukraine haben eingeräumt, Leichen von der Absturzstelle der MH17-Passagiermaschine entfernt zu haben. “Einige Dutzend Leichen” seien nach Donezk gebracht worden, sagte der Separatistensprecher Sergej Kawtaradse. Die Körper hätten mitten in der Ortschaft Grabowo gelegen. Der Abtransport sei “in Anwesenheit von OSZE-Beobachtern” erfolgt.

“Es war aus hygienischen Gründen unmöglich, sie weiter dort liegen zu lassen”, sagte Kawtaradse. Die Leichen würden in Donezk ausländischen Experten übergeben.Zuvor hatte die ukrainische Führung den Aufständischen vorgeworfen, Beweismaterial vom Absturzort zu entwenden. Der prorussische Rebellenführer Alexander Borodai hatte beteuert, man habe “vor Ort nichts angefasst”. Sie hätten lediglich versucht, die Leichen aus der Hitze zu schaffen.

US-Außenminister John Kerry sagte in einem Gespräch mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow, er sei “tief besorgt” über den Abtransport der Leichen. Dies teilte das Außenministerium in Washington mit.

BILD:

Wir sind fassungslos: Warum sind die Toten 48 Stunden nach dem Absturz von MH 17…

Original ansehen noch 74 Wörter

Zwei Polizisten ….

…. bringen einem Refugee in Berlin, der sich (vermutlich) im Hungerstreik befand, den Gaucho-Tanz bei:

https://www.flickr.com/photos/101502199@N07/14498825239/in/set-72157645750514321

Die beiden Tanzlehrer rufen ihrem Chef zu: >>Sieh her, so gehen wir, die Deutschen. Sieh her, so geht der Gaucho – zwischen uns.<<

 

Und unser BuPrä empfindet, ja, was er empfindet er dabei, dass Deutschland Brasilien niedergemacht hat. Danke an ManPe für den Hinweis:

und der militante Bundesgrüßaugust freut sich, dass

Deutschland ein Land “niedergemacht hat”

Zu Merkels Geburtstag …


… ein Zitat von Robert Walser:

Die Großen sind ja nicht durch sich selbst groß, sondern durch die andern, durch all(…) die, denen es ein Entzücken bereitet, sie als groß zu erklären. Durch vieler Leute Würdelosigkeit entsteht diese eine überragende Ehre und Würde. Durch vieler Leute Kleinheit und Feigheit entsteht diese auf einem Punkt aufgehäufte Summe von Größe und durch vieler Leute Verzicht auf Macht diese gewaltige Macht. Ohne Gehorsam ist der Befehlshaber und ohne Diener ist der Herr nicht möglich. Wenn man (den verwöhnten und bedeutenden Leuten) nicht schmeichelt bis zur Geschmacklosigkeit, ist man ihr Feind.”

 

Und eine Variante von Heiner Geißler:

 

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Fassungslos in Gaza

by Jürgen Todenhöfer
(Quelle: facebook)

 

Gaza, 15. Juli. Seit drei Tagen bin ich mit meinem Sohn Frederic in Gaza. Wir werden auch die heutige Nacht in Gaza verbringen müssen. Die Grenzen sind zu. Die Menschen hier erwarten diese Nacht besonders schwere Angriffe aus Israel.

Wir besuchten Opfer-Familien, kletterten durch ausgebombte Häuser, gingen durch überfüllte Krankenhäuser. Über uns stets das bedrohliche Surren israelischer Kampfdrohnen.

Abends sitzen wir angespannt auf dem Dach unseres Hotels und beobachten das gespenstische “Feuergefecht” zwischen Israel und Gaza. Wir sehen das kurze Aufleuchten der Raketen der Hamas und des ‘Islamischen Jihad’ und ihren langen weißen Rauchschweif. Kurz danach das durch Mark und Bein gehende Zischen einer israelischen Rakete, gefolgt von einer Ohren betäubenden Explosion. Die Erde bebt.

Um drei Uhr nachts wird unser Hotel so niedrig von einer israelischen Rakete überflogen, dass das Hotel in seinen Grundfesten wackelt. Wie bei einem schweren Erdbeben. Wir tasten uns schlaftrunken auf die Flure. Müssen wir aus dem Hotel raus? Die Rakete zerstört ein Wohnhaus 200 Meter von uns entfernt. Wir gehen in unsere Zimmer zurück.

Der jetzige Krieg einschließlich seiner Vorgeschichte ist eine Schande. Und er ist absurd. Wie die meisten Kriege.

DIE ERSTE SCHANDE ist die Entführung und Ermordung der jungen israelischen Siedler Eyal Yifrach, Gilad Shaar und Naftali Frenkel. Wer immer sie feige getötet hat. Ein Sprecher der Hamas dementiert mir gegenüber zornig jede Beteiligung an diesem erbärmlichen Mord. Die Hamas bekenne sich stets zu ihren Taten. Mit diesem Irrsinn habe sie nichts zu tun. Wer sagt die Wahrheit?

DIE ZWEITE SCHANDE ist die Verbrennung des jungen Palästinensers Mohammed Abu Khdeir bei lebendigem Leib. Die israelischen Täter zwangen ihn, Benzin zu trinken und zündeten ihn an.

DIE DRITTE SCHANDE besteht – nach wahllosen und brutalen Hausdurchsuchungen und Massenverhaftungen in der Westbank – in der völlig hemmungslosen Bombardierung der 1.8 Mio Ghettobewohner von Gaza. Durch israelische Kampfjets, Raketen, Hubschrauber, Schiffe und Drohnen. Ergebnis: 193 tote Palästinenser (Stand: 18 Uhr Gaza-Zeit). Frauen, Kinder. Die Beschießung ist für jeden erkennbar maßlos.

Wahrer Grund dieses massiven Bombenterrors ist nicht die weitgehend wirkungslose und dilettantische Schießerei der Hamas und des ‘Islamischen Jihad’. Die ich ebenfalls ausdrücklich verurteile. Sie begann nach der Tötung von 6 Hamaskämpfern in Gaza und sechs palästinensischen Zivilisten in der Westbank.

Wir haben den Beschuss Israels aus Gaza hautnah miterlebt. Die Sirenen von Jerusalem heulten auf, als drei anfliegende Geschosse entdeckt wurden. Jüdische Israelis rannten kreidebleich zu ihren Hotels. Zwei Minuten später hörten wir in der Ferne drei Explosionen. Die Geschosse waren wie meist, ohne Schaden anzurichten, im Umland zerschellt.

Auch im israelischen Aschkelon erlebten wir einen Angriff aus Gaza. Ein etwa ein Meter großes Kassam-Geschoss hatte wieder einmal sein Ziel verfehlt. Verbogen lag es auf einer Straßenkreuzung. Polizei sicherte den Ort seiner Bruchlandung ab.

Abends in Jerusalem saß am Nachbartisch eines kleinen Gartenrestaurants der frühere englische Premierminister Tony Blair. Er ist angeblich noch immer “Friedensbeauftragter” des sogenannten Nahostquartetts. Er lachte und lachte. Über die weitgehend ineffektiven Geschosse der Hamas und des ‘Islamischen Jihad’? Oder darüber, dass Gaza in den Weltmedien als Angreifer gilt? Er hatte einen äußerst vergnüglichen Abend.

Der Gazakrieg ist ein Gefecht David gegen Goliath. Nur dass dieser David aus dem winzigen Gaza selten trifft. Und völlig chancenlos ist. Bisher gab es auf israelischer Seite eine Handvoll Verletzte und glücklicherweise noch keinen Toten. Ich beklage jeden dieser israelischen Verletzten ausdrücklich. Wie jeden palästinensischen Toten und Verletzten. Alle Menschen sind für mich gleich. Ihr Leid, ihre Schmerzen.

Aber die sinnfreie Hamas-Ballerei mit den massiven mörderischen Raketenschlägen der Israelis zu vergleichen, ist vollkommen realitätsfremd. Das zeigen schon die bisherigen Zahlen der Todesopfer: 193:0. Schlagzeilen wie “Israel unter schweren Beschuss” stellen die Tatsachen auf den Kopf. Gaza liegt unter schwerem Beschuss!

Netanjahu will die Hamas in die Knie bomben. Vor allem nachdem sie sich mit der gemäßigten Fatah zusammengeschlossen hat und dadurch das palästinensische Lager gestärkt hat.

Netanjahu will keine starke, geeinigte Palästinenserführung. Er will schwache, nachgiebige, gedemütigte Gesprächspartner wie Mahmoud Abbas, die er am Nasenring durch die Manege führen kann. Ohne dass sie sich wehren. Denen er nie echte Zugeständnisse machen muss. Weil ein Netanjahu keine Zugeständnisse macht. Das Leiden der Palästinenser unter der Besatzung Israels hat ihn nie interessiert und wird ihn nie interessieren.

Netanjahu will keinen Frieden mit den Palästinensern. Jeder führende US-Politiker von Obama bis Kerry würde das resigniert bestätigen. Netanjahu will vor allem kein freies, unabhängiges Palästina.

Aber will Hamas Frieden? Auch diese Frage muss man sich ernsthaft stellen. Vor allem wenn man an die alte Charta der Hamas denkt. Aber war das überraschende Bündnis mit Fatah nicht gerade ein Signal, dass Hamas bereit war, wenigstens teilweise auf den nachgiebigeren, versöhnlicheren Kurs der Fatah einzuschwenken. Warum hat Netanjahu dieses Bündnis so kompromisslos bekämpft?

Die Politik der israelischen Regierung gegenüber den Palästinensern ist nicht erst seit der jetzigen Bombardierung Gazas maßlos. Das ist nicht nur meine persönliche Meinung. Das sind israelische Fakten:

Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B’tselem, mit der wir am Wochenende telefonierten, wurden seit Beginn der 2. Intifada am 29. September 2000 bis heute 1.110 Israelis getötet. Im selben Zeitraum töteten die Israelis über 7.000 Palästinenser. Darunter über 1.500 Kinder.

7.000: 1.110. Das soll Selbstverteidigung sein?

Lange saß ich gestern am blutverschmierten Krankenbett des einjährigen Ismael. Er wurde von einer israelischen Rakete am Hinterkopf schwer verletzt. Wird er überleben?

Anschließend war ich am Krankenbett der 6 Jahre alten Shaymaá. Sie wurde an Bauch, Rücken und Leber verwundet. Ihre Mutter und zwei ihrer Brüder wurden getötet. Doch das weiß sie noch nicht.

Und wir standen erschüttert vor dem Krankenbett der 9jährigen Maria. Ein israelischer Raketensplitter steckt noch in ihrem Kopf. Sie hat durch das, was sie erlebt hat, die Sprache verloren.

Wenn ich über Gaza nachdenke, blutet mir das Herz. Die Welt aber nimmt fast alles widerspruchslos hin. Sie lässt zu, dass die Wahrheit über diesen Krieg in fast grotesker Weise auf den Kopf gestellt wird. Auch das ist eine Schande.

Fassungslos aus Gaza! Euer JT

PS: Das Endspiel um die Fußballweltmeisterschaft haben wir zusammen mit palästinensischen Familien in Gaza verfolgt. Aus Sicherheitsgründen gingen wir nicht in eines der vielen Strandcafés. Dort wurden kurz vor Beginn des Spiels Argentinien gegen Holland 9 junge Palästinenser durch eine israelische Rakete getötet.15 wurden verletzt. Wenn das keine maßlose Kriegsführung ist!

Pisa-Test

Der Pisa-Test ist das Kind des ökonomischen neoliberalen Denkens. Es geht nicht um Wissen, sondern um die Fähigkeit, sich anzupassen. Das steht im krassen Widerspruch zu allem, was die alte Bildungstradition ausmacht.
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Das Interview mit Jochen Krautz, Professor für Kunstpädagogik an der Bergischen Universität Wuppertal.
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http://nzz.to/1m9w5wO

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