Heute ist Shakespeare-Tag

Richard III. mit Ian McKellen spielt in den 30er Jahren, meist inmitten eines Art-Deco-Interieurs. Anstelle von Kanonen gibt es Panzer und anstelle von Pferden Jeeps, was dem Film mitunter eine komische Seite verleiht. Als Richard III. inmitten brennender Trümmer mit dem Jeep zu fliehen versucht und den berühmten Satz spricht “Ein Pferd, ein Pferd für ein Königreich” ………..

Aber das sind Äußerlichkeiten. Der Regisseur Loncraine hatte zwar die Handlung in die 30er Jahre verlegt, mit Anklängen ans 3. Reich, aber er hatte den Shakespeare-Text beibehalten. Shakespeares Sprache zu hören, kann eine – und ich werde ein wenig pathetisch – nach Erkenntnis dürstende Seele erfüllen und befrieden. Ich hatte 1995 in Kassel das starke Gefühl, fast nur noch von geistiger Verödung umgeben zu sein. Shakespeare zeigte, dass auch eine andere, reflektiertere Welt möglich ist. Der Film lief damals im Bali, in einem alten Bahnhofskino, das vom Filmladen übernommen worden war. Und im Programm hatte man einen Satz aus Richard III. zitiert: “Lächeln kann ich und lächelnd morden!” Für mich war und ist das ein Schlüsselsatz, eine treffende Charakterisierung einer verlogenen und durch und durch unehrlichen Gesellschaft.

Wenn ich mich recht erinnere, war Macbeth von Polanski die erste Shakespeare-Verfilmung, die ich sah, und zwar im Esplanade in Hamburg. Drei Dinge haben sich dabei eingeprägt: Die Blutrünstigkeit des Films. Ich hatte den Eindruck, Polanski verarbeitete damit die Ermordung seiner Frau Sharon Tate, die zum Zeitpunkt ihrer Ermordung schwanger war. Das zweite war, zu sehen, wie Macbeth peu a peu vereinsamte und nur noch ein paar Schurken und finstere Gestalten um sich versammelt hatte. Das dritte floss als ein erhellender Gedankenblitz in meine Studien von Adorno ein: Adorno subjektiviert(e) die Handlungen, etwa in folgendem Satz aus der Negativen Dialektik: “Erkenntnis, die den Inhalt will, will die Utopie.” Ich habe mich damals gefragt, wie das wohl zu verstehen ist und ob es nicht heißen müsste, jemand, der etwas erkennen will, der sich um Erkenntnis bemüht ….

Als der Wald von Birnam gegen Ende des Films sich auf das Schloß von Macbeth zubewegt, als es zum finalen Kampf zwischen diesem und Macduff kommt, ruft Macduff sinngemäß aus: Der Zorn führt mir das Schwert.

Die “alte” Auffassung ging davon aus, dass nicht das Ich handelt (Ich führe das Schwert), sondern durch das Ich, durch das Subjekt hindurch agieren Kräfte, für die es nur ein Werkzeug, ein Mittel ist. Für das “alte” Denken existieren gleichsam “Ideen”, Substanzen, Kräfte, Energien vor dem einzelnen, individuellen Menschen, sie steuern ihn und wirken durch ihn hindurch.

In diesem Sinne, so dachte ich mir Anfang der 70er Jahre, handelt bei Adorno nicht das Ich, sondern die Erkenntnis selbst, ihr Wesen. ….. Wiewohl es, Adorno zufolge, kein Sein ohne Seiendes gibt, keine Erkenntnis ohne Subjekt.

Mit Henry V., der auch im Kasseler Bali lief, ging es mir ähnlich wie mit Richard III. Die Sprache, das Reflexionsvermögen Shakespeares – vor allem im Prolog – war Balsam für die Seele inmitten der Kasseler Wüste von Trostlosigkeit.

Kenneth Branagh:

 

Heute ist auch der Welttag des Buches

.Historischer_BibliothekssaalQuelle: wikipedia, stichwort: bibliothek.

Noch einmal zur StraßenreparaturAbgabe

Heute Mittag hörte ich im Radio das Statement vom Ministerpräsidenten aus dem Stuttgart-21-Land. Das Statement klärte mich auf: Die KFZ-Steuer und die Benzinsteuer seien allgemeine Steuern, das heißt, ihre Verwendung ist nicht zweckgebunden.

Potz-Blitz dachte ich, na so was. Wenn Politiker es brauchen, argumentieren sie meist so, als ob das von Menschen Gemachte physei sei, also ein nicht Gemachtes. Wenn es regnet, regnet es nicht so, dass nur die Rapsfelder benässt werden, sondern es regnet auf alles, auf Dächer, Straßen, Felder, Wälder, Wiesen; es regnet auf Gute und Böse.

Dieser Grüne Präsident tut so, als wäre die Verwendung der KFZ- und Benzin-Steuern in ihrer Unbestimmtheit gottgegeben, als wäre diese Offenheit ein Zwang, eine Seins-Qualität, an der Menschen nichts ändern können.

Wenn es dann aber beispielsweise um Fracking geht, geht ihnen die physei am Arsch vorbei.

Frage an meine autofahrenden Leser

Ich bin bekanntlich kein Autofahrer, habe auch nie den Führerschein erworben, bin also Laie – und deshalb frage ich, wie kommt ein Minipräsi auf die Idee von den Autofahrern eine Reparaturbeteilung für Straßen verlangen zu wollen. So weit ich weiß, zahlt doch jeder Autobesitzer schon eine KFZ-Steuer. Und darüber hinaus noch jede Menge Steuern beim Benzin.
Was machen den die Regierenden mit diesem Geld. Weiß jemand wieviel der Staat jährlich an Steuern aus den Autofahrern herausholt, von der Maut für LKWs einmal abgesehen?

Deutschlandfunk schreibt:

MINISTERPRÄSIDENT ALBIG von Schleswig-Holstein
Autofahrer sollen Straßenerhalt mitfinanzieren

Die deutschen Autofahrer sollen zahlen, wenn es nach Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Thorsten Albig geht. 100 Euro im Jahr. Zusätzlich. In einen Sonderfonds “Reparatur Deutschland”. Damit solle die Wartung und die Instandsetzung der Straßen finanziert werden.

Der SPD-Politiker sagte der Zeitung “Die Welt”: “Wir müssen den Bürgern dieses Landes klar sagen, dass wir ein zusätzliches nutzerfinanziertes System für den Erhalt unserer Infrastruktur brauchen.”

Die fünf Milliarden, die Schwarz-Rot zusätzlich im Koalitionsvertrag für die Infrastruktur festgeschrieben hätten, seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein. “Wir brauchen zusätzlich sieben Milliarden Euro – und zwar jedes Jahr”, sagte Albig.

Anfang April hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die zusätzlichen Milliarden für die Verkehrsinfrastruktur im Bundestag als wichtiges Projekt ihrer Großen Koalition bezeichnet:

“Ich weiß, dass das sicherlich immer mehr sein könnte, aber meine Damen und Herren, es sind erst einmal fünf Milliarden mehr als in der vergangenen Legislaturperiode. Und das ist ein Schritt in die richtige Richtung.”

 

Fast hätt ich’s vergessen: Jean Ziegler …

ist heute 80 Jahre alt geworden.

>>20 Bücher, mehrere Anklagen und Treffen mit Che Guevara, Saddam Hussein und Nelson Mandela: Jean Ziegler wurde als Enfant terrible zum Aushängeschild der Schweizer Aussenpolitik. Heute wird er 80 Jahre alt. Wir gratulieren zum Geburtstag.<<

Mehr:

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Der-unermuedliche-Weltverbesserer/story/31699068

Garcia Marquez

Ursprünglich veröffentlicht auf Kritik und Kunst:

Er ist in Ehren alt geworden, die Nachricht war zu erwarten, er litt zuletzt an Demenz, und ein jegliches hat seine Zeit, ja, alles richtig – dennoch darf ich vielleicht ein bißchen melancholisch sein: Gabriel Garcia Marquez ist verstorben.

“Magischer Realismus” – auch so ein Hilfswort ohne Bedeutung. Natürlich ist mir die Qualität von “Hundert Jahre Einsamkeit” nicht entgangen. Aber mir haben seine kürzeren Romane/Novellen in ihrer Härte (hier spürt man, wie in Hemingways besten Passagen, den Journalisten) immer noch besser gefallen. “Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt” ist einfach eine Jahrhundertnovelle, die “Chronik eines angekündigten Todes” ebenso. Der Bericht eines Schiffbrüchigen ist schon stark, “Die Geiselnahme” (über Nicaragua, die Sandinisten und das Somoza-Gesindel) und der Miguel Littin…mir, der ich, wie wohl die Meisten, mich in der faszinierenden Geschichte Lateinamerikas nicht auskannte, brachte vor allem Garcia Marquez diese Geschichte nahe.

Literarisch ist ihm der Spagat gelungen: Er war Sozialist…

Original ansehen noch 116 Wörter

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 121 Followern an