Notizen aus der Unterwelt.

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anton klaus reiser baum – skizze — 16. Januar 2020

anton klaus reiser baum – skizze

wunsch und ziel war es, ein urteilsvermögen zu erlangen, fundiert, ausgestattet, gepolstert, untermauert mit einem umfangreichen wissen der geistesgeschichte, so dass mir so schnell keiner mehr ein x für ein u vormachen konnte.

1968 sagte mir die leiterin der volkshochschule, auf meine frage hin, ob ich nicht mal eine fotoausstellung in der volkshochschule machen könnte: junger mann, ich war damals 25, junger mann, thomas mann hat gesagt, ein meister müsse erst mal in der stille reifen, bevor er an die öffentlichkeit tritt. das ist lediglich ein beispiel dafür, wie die etablierten, die erwachsenen, mit 25 war ich ja noch nicht erwachsen, wie die tonangebenden über einen bestimmten und einen permanent degradierten.
der layouter der katholischen zeitschrift kontraste meinte zu meinen fotos, sie würden außer „klaus baum fotografiert“ nichts sagen. damals fanden sie neusüß gut.

eine redakteurin der zeitschrift hatte meine fotos mitgenommen. wir hatten uns auf einer tagung der evangelischen akademie in hofgeismar getroffen.

ich fühlte mich so um 68, 69, 70 herum wie ein unreifer, substanzloser, unselbständiger nichtskönner, der permanent von redaktionen und werbeagenturen zurückgewiesen wurde. ich hatte keine gegenargumente, aber dafür das gefühl, es stimme mit ihren abweisungen, ihren begründungen für ihre abweisungen etwas nicht, und so entschloss ich mich, philosophie zu studieren, in der absicht, jene geistige eigenständigkeit zu erwerben, die es mir ermöglichte, ihre halbwahrheiten zu durchschauen.

die, von denen man abhängig war, die bestimmten, wer in ihren galerien, museen, volkshochschulen, in ihren agenturen und zeitschriften etwas zeigen durfte, sie waren wie eine hermetische decke, ein hermetisches gestrüpp, das undurchdringlich war. eine decke, die den aufstieg von unten nach oben nicht erlaubte oder dornenhecken, die so undurchdringlich waren wie in dornröschen.

die zurückweisung bei konkret durch stefan aust. poststraße, nähe gänsemarkt.

selbst nach meinem ersten und 2. staatsexamen hielt es der chefredakteur des allgemeinen deutschen sonntagsblattes nicht für nötig, mich zu empfangen. man bekommt so ein gefühl der unqualifiziertheit, der wertlosigkeit. siehe auch schwarze.

oder später breuer.

der meine ansicht über literatur als didaktisch zurückwies. michael krüger jahre später in einemn radiointerview: literatur soll so beschaffen sein, dass man von ihr etwas lernt.

entscheidend ist der gedanke der decke von meinungen, urteilen, abqualifizierungen.

und das bemühen eine eigene urteilsfähigkeit zu erlangen, die einen über die decke bringt., eine qualifikation zu erreichen, bei der einen keiner mehr etwas vormachen kann.

übrigens war thomas mann zwischen 25 und 26 jahre alt, als die buddenbrocks veröffentlicht wurden.

als ich die fotoausstellung in der VHS KS machen wollte, war ich eben so alt. und trotzdem sollte ich in der stille reifen. was für ein schmarrn.

die verbote im kopf. die verabsolutierungen. in der stille reifen. klitoral. (bolsmann)

Black Rock – eine Doku — 7. Januar 2020
Trump erklärt Iran den Krieg — 3. Januar 2020

Trump erklärt Iran den Krieg

Jürgen Todenhöfer:

Liebe Freunde, mit der Ermordung General Soleimanis hat Trump dem Iran de facto den Krieg erklärt. Obwohl er weiß, dass dieser Krieg noch schrecklicher würde als alle US-Kriege im Mittleren Osten zuvor. Iran ist trotz der brutalen Sanktionen der USA militärisch ein starkes Land. Tausende Soldaten könnten in diesem Krieg ihr Leben verlieren und Hunderttausende Zivilisten. Nicht nur im Iran.

Trump weiß, dass der Iran nach der gezielten Ermordung Soleimanis zurückschlagen wird. So wie die NATO zurückschlagen würde, wenn feindliche Staaten NATO-Generalsekretär Stoltenberg mit einer Drohne ermordet hätten. Oder den amerikanischen Verteidigungsminister.

Soleimani war für die Iraner das Symbol des Kampfes gegen den IS. Er bekämpfte den IS am Boden und nicht wie die USA aus der Luft mit feigen Städtebombardements. Bei den gefährlichsten Schlachten war er oft selbst dabei, während Trump in seinem Washingtoner Solarium saß. Die überwältigende Mehrheit der Iraner wünschte ihn sich als nächsten Präsidenten.

Das ist kein Plädoyer für einen ausländischen Kriegsführer. Es ist ein Plädoyer gegen seine völkerrechtswidrige Ermordung. Und gegen die irre und wirre Politik der USA gegenüber dem Iran.

Mit der gezielten Tötung Soleimanis hat Trump den Iran zum zweiten Mal demonstrativ gedemütigt. Erst bestrafte er die jahrelangen bitteren Zugeständnisse des Iran bei der Kontrolle seiner zivilen Nuklearanlagen hohnlachend mit verschärften Sanktionen. Diese stürzten das ganze Land ins Elend. Sie schwächten die gemäßigten iranischen Führer um Rohani und Sarif, die den Zusagen der USA vertraut hatten. Jetzt ermordete Trump demonstrativ die beliebteste militärisch-politische Persönlichkeit des Iran.

Trump sät Sturm. Es könnte sein, dass er dafür einen Tsunami erntet. Deutschland sollte ihn bei den militärischen Folgehandlungen nicht unterstützen. Die Politik Trumps ist nicht den Tod eines einzigen deutschen Soldaten wert.

Wie üblich behauptet die US-Führung, ihre Dauer-Aggressionen gegen den Iran seien reine Verteidigungsakte. Von den USA ist man diese Tatsachenverdrehungen gewöhnt. Dass sich die Bundesregierung jetzt dieser Sprachregelung unterwürfig anschließt, ist schlimm. Sie nennt die Ermordung Soleimanis eine „Reaktion“ auf iranische Provokationen. So dreist hat noch nie eine deutsche Bundesregierung eiskalten Mord verharmlost.

Euer JT

Muddy Waters: O Baby please don’t go! — 1. Januar 2020
Meine Oma — 29. Dezember 2019
Wenn die Oma aber einen SUV fährt —