Notizen aus der Unterwelt.

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Klöckner und Nestlé, Scheuer und die Autoindustrie! — 12. Juli 2019

Klöckner und Nestlé, Scheuer und die Autoindustrie!

von Eckhard Jochum

An dieser ist Stelle ist schon oft vom Versagen der deutschen Regierung(en) die Rede gewesen. Dieses Versagen hat ganz verschiedene Gründe und passt natürlich nicht in ein paar Zeilen. Aber für eine Kritik an Klöckner und Scheuer sollte es reichen. Da genügt, alle Mal, die Kurzform.
Einer der Gründe für Ministerversagen, was es natürlich auch früher immer wieder gab, ist geballte Inkompetenz. Dort wo diese sich mit ekelerregender Nähe zum verbrecherischen Treiben einschlägiger Konzerne verbindet, wird es unerträglich. So in den aktuellen Fällen dieser beiden CSU Kabinettsmitglieder. Dass Scheuer nicht geeignet und nicht ausreichend qualifiziert ist für seine Aufgabe, weiß jeder. Und das nicht erst seit der gescheiterten Maut für Ausländer, die ihm sein genau so wenig talentierter Vorgänger, A. Dobrindt, eingebrockt hat. Scheuer selbst wurde aber nicht müde, seit er sein Amt angetreten hat, eben diese Maut immer wieder lauthals zu preisen. Als gänzlich unfähig geoutet hat er sich spätestens mit der Beleidigung aller anderen europäischen Regierungen, indem er diese zu Idioten erklärte ob der Tempolimits, die dort längst der Umwelt nützen, Abgase einsparen helfen und Tausenden von Menschen das Leben retten. Auch sein unsägliches Management der Dieselkrise, seine Weigerung, den betrügerischen Autokonzernen Paroli zu bieten und endlich wirksame Nachrüstungen durchzusetzen: All das trägt dazu bei, diesem Minister die Fähigkeit abzusprechen, ein solches Amt zu bekleiden. Wer, wie Scheuer, aus den Gedärmen der großen Autokonzerne gar nicht mehr rauskommt, kann es höchstens noch zum bestbezahlten Tretrollerfahrer der Republik bringen. Aber selbst hier wird er kläglich scheitern. Der Elektro-Tret-Roller ist weder ein schlaues noch ein praktisches Mittel zur Bekämpfung der Mobilitätsprobleme in den Städten, noch wird er die Umwelt entlasten. Die Verantwortlichen in den Städten werden es richten müssen: Und vermutlich werden sie den Scheuer-Roller bald wieder abräumen.
Im nicht weniger wichtigen Agrar-Ressort – auch hier geht es um wahrhaft große Aufgaben – glänzt Frau Klöckner mit einer traurigen Nullnummer. Was von ihr verlangt wird, ist nicht weniger als der dringend erforderliche Umbau der Landwirtschaft, dergestalt, dass es nicht nur Aldi, Bayer und den anderen Giganten im Agrar- und Ernährungsbusiness gut geht und dass der Export von Schweine- und Hühnerfleisch und Milch etc. gut laufen, sondern dass auch das Grundwasser in guter Qualität erhalten bleibt, die Artenvielfalt und die Gesundheit der Verbraucher. Aber überall dort, wo Klarheit und Durchschlagskraft, Überzeugungsarbeit und wirksame Gesetze nötig wären: Fehlanzeige. Wo hält sich diese ewig in irgendeine Kamera lächelnde Ministerin am liebsten auf? Ja, genau, in den Gedärmen irgendeines der großen Lebensmittelkonzerne. Die ganze Republik hat sich darüber (zurecht) er- und aufgeregt. Selbst einige ihrer CDU Fraktionskollegen waren der Meinung, dass sich eine Ministerin nicht derart zu einer wandelnden Litfaßsäule von Nestlé hätte machen lassen dürfen. Aber das ist ihre Politik. Statt den Konzernen genau vorzuschreiben, wie viel Zucker und andere schädliche Stoffe in den Lebensmitteln versteckt und verarbeitet werden dürfen, setzt diese Dame auf Freiwilligkeit. Eine fulminante Idee, die den Konzernen mächtig Dampf unterm Hintern machen wird.
Und es ist wirklich eine verrückte Welt: Bayer, Sie erinnern sich, der deutsche Agrarmulti, der kürzlich Monsanto kaufte, hält am 26. April 2019 seine Hauptversammlung ab. Und was meinen Sie, haben die Großaktionäre, Vermögensverwalter etc. dort gemacht? Sie haben, Experten meinen, das sei ein einmaliger Vorgang in der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte, mit 55,52 Prozent dem Unternehmensvorstand das Misstrauen ausgesprochen. Und auch, wenn es schwer fällt zu glauben: Erhebliche Anteile dieser 55,52 Prozent Gegenstimmen zur Politik vom Bayermanagement stammten von großen Investment Banken und Anlegern, die den aggressiven, gegen Natur und Mensch gerichteten Kurs dieses Konzerns nicht mehr mittragen wollten. Auch wenn sich der Aufsichtsrat – eilig noch in der direkt folgenden Nacht zusammengetrommelt – hinter den Vorstand stellte und das Votum der Anleger damit überstimmte: Bayer wird zur Kenntnis genommen haben, dass sich das Verhalten der großen Akteure auf dem Weltmarkt gerade ändert. Der Markt für nachhaltige Anlagen wächst dreimal so schnell und stark wie der Gesamtmarkt!
Damit will der Schreiber dieser Zeilen bestimmt nicht der Hoffnung Ausdruck verleihen, die Anleger würden es schon richten. Vielmehr nur, dass solche Luschen wie Scheuer und Klöckner vielleicht mal den Blick auf‘s große Ganze werfen und sich endlich beeilen sollten mit den dringend notwendigen Beschlüssen für einen ökologischen Wandel. Denn wenn sie es nicht machen, machen sie sich vielleicht bald überflüssig. Entweder durch schlichte, hoffentlich baldige Abwahl oder weil das, was eigentlich ihre Aufgabe wäre oder gewesen wäre, am Ende vielleicht da und dort durch die Anleger von Konzernen erzwungen wird: Der ökologische Umbau der Wirtschaft. Die beiden total unfähigen CSU Minister werden diesen Wandel jedenfalls nicht anstoßen. Davon kann ausgegangen werden…

Die Wandgemälde von San Francisco — 2. Juli 2019

Die Wandgemälde von San Francisco

Übernahme von den Nachdenkseiten
Abbildungen hier

Ich habe den Text wegen dieses Halbsatzes übernommen:
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„Anstatt Stärke durch zunehmendes Wissen zu gewinnen,
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Diana Johnstone berichtet darüber in diesem Beitrag. Der Text wurde von Susanne Hofmann übersetzt. Albrecht Müller.
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Diana Johnstone: Die Wandgemälde von San Francisco und der Selbstmord der Linken
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Die Entscheidung der Schulbehörde von San Francisco (am 25. Juni 2019, NDS), die historischen Wandgemälde in der George Washington High School zu vernichten, ist nicht nur ein weiteres Beispiel für die Torheit der Identitätspolitik. Sie illustriert auch auf erschütternde Weise den drastischen geistigen Niedergang dessen, was man „die Linke” nennt, schreibt die US-amerikanische Journalistin und Autorin Diana Johnstone.

In den 1930er Jahren gab es noch eine Linke mit Verstand. Man konnte ihr zustimmen oder anderer Meinung sein, man konnte sie lieben oder hassen. In jedem Fall hatte sie Ideen, ein Ziel, Talent und einen Sinn für die Menschheit als Ganzes. Sie setzte sich für eine gerechte Gesellschaft ein, die der Ausbeutung ein Ende machen und dem Wohle der ganzen Menschheit dienen würde.

So gab es beispielsweise die künstlerischen Projekte der Works Progress Administration (WPA – Arbeitsbeschaffungsbehörde, die im Zuge des New Deal geschaffen wurde; Anmerkung der Übersetzerin), dem wichtigsten Programm des New Deal zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise, das von der Schaffung der Tennessee Valley Authority bis zur künstlerischen Aufwertung öffentlicher Gebäude reichte. Ein Begünstigter dieser Aufwertung war die George Washington High School in San Francisco, die mit einer bemerkenswerten Reihe von Wandmalereien des führenden Künstlers Victor Arnatoff gesegnet war. Er war ein russischer Einwanderer und hatte mit Diego Rivera, dem mexikanischen Meister der sozial engagierten Kunst, gearbeitet. Man sollte annehmen, dass diese beeindruckenden Wandmalereien in der Schule Lehrer und Schüler mit anhaltendem Stolz erfüllen würden.

Die WPA wurde, nicht zuletzt in ihren Kunstprojekten, von Linken, ja sogar regelrechten Kommunisten wie Arnautoff getragen, die es gewagt haben vom sterilisierten „Ich kann nicht lügen” Kirschbaum-Mythos und der Verherrlichung von George Washingtons Überquerung des Delaware abzuweichen und an die vergessenen Opfer der Gründung der Vereinigten Staaten zu erinnern – an die Ausbeutung afrikanischer Sklaven und an die brutale Enteignung des Landes amerikanischer Ureinwohner. Die Wandbilder waren eindeutig Teil der Bemühungen linker WPA-Intellektueller, soziales Bewusstsein zu wecken – ein Schritt auf dem Weg zur Bürgerrechtsbewegung der 1950er Jahre.

Zu Zeiten des „Komitees für unamerikanische Umtriebe“ im Repräsentantenhaus und Joe McCarthys irrwitzigen Amoklaufs erregten derartige links eingefärbte WPA-Projekte, die die weniger glanzvolle Seite der Geburt der Republik ans Licht zerrten, feindseligen Verdacht. Und doch haben die Arnautoffschen Wandmalereien die Hexenjagd von Nixon, vom Komitee für unamerikanische Umtriebe und von McCarthy überlebt. Da brauchte es schon die Identitätspolitik, um zu ihrer Zerstörung aufzurufen.

Das Schockierendste ist, dass der afro-amerikanische Präsident der San Francisco Schulbehörde, Stevon Cook, diese Zerstörung der Wandgemälde befürwortet mit der Begründung, sie enthalten „brutale Bilder, die für bestimmte Gemeinschaften anstößig sind”. Joely Proudfit, die Direktorin des California Indian Culture and Sovereignty Center in San Marcos meinte, es lohne nicht, das Kunstwerk zu erhalten, wenn auch nur ein uramerikanischer Schüler „davon getriggert wird”.

An so einer Position ist alles falsch. Bildung sollte Menschen dazu befähigen das, was sie sehen, zu analysieren und nicht lediglich „getriggert“ zu werden. Die gegenwärtige Welt ist vollgepfropft mit hochgradig verstörenden Bildern. Wenn ein Schüler erreichen kann, dass ein historisches Wandgemälde abgerissen wird, weil er oder sie davon „getriggert” wird, was soll das denn bitte für eine Vorbereitung für die Zukunft sein? Die Schule sollte kein „sicherer Raum” für Emotionen sein, sondern darauf vorbereiten, auf dem Lebensweg Emotionen mit Vernunft zu meistern. Jene, die die Wandbilder beseitigen möchten, haben die schlechtestmögliche Art der Interpretation dieser Wandbilder gewählt, statt sich ihres Denkvermögens zu bedienen, um sie zu verstehen und in ihren Kontext zu stellen. Ja, es gab die Sklaverei und ja, die amerikanischen Ureinwohner wurden abgeschlachtet. Und ihre Nachfahren können sich die Kraft vergegenwärtigen, die nötig war, um Widerstand zu leisten und zu überleben und sie können aus ihrer tragischen Geschichte Mitgefühl schöpfen für all jene, die heute unter vergleichbarer Ungerechtigkeit leiden. Der Angriff auf die Wandbilder ist eine Geste ohnmächtiger Boshaftigkeit.

Was sind die verletzten Gefühle eines Highschool Schülers in San Francisco im Vergleich zum Schmerz und dem Hunger eines jemenitischen Kindes, das unter dem Bombenhagel lebt, der von den USA unterstützt wird? George Washington ist tot, doch in der Stadt, die seinen Namen trägt, finanziert die amerikanische Führung das Massaker an unschuldigen Zivilisten auf der ganzen Welt. Warum setzen diese super-empfindsamen amerikanischen Schüler ihr Feingefühl nicht dafür ein, sich den fortwährenden Verbrechen entgegenzustellen? Warum entwickeln sie ihre Intelligenz nicht, um herauszfinden, wie sie im gemeinsamen Kampf mit anderen den permanenten Krieg der Washingtoner Regierung beenden können?

Aber der Trend der Hypersensibilität (der „Generation Schneeflocke”) kann mit wirklicher Stärke nichts anfangen, mit der Kraft des Mutes, mit der sich Hindernisse überwinden lassen. Stattdessen saugt er künstliche moralische Stärke aus ewiger emotionaler Schwäche. Anstatt Stärke durch zunehmendes Wissen zu gewinnen, klammert sich eine gewisse Strömung junger Menschen, die im Gegensatz zu ihren Vorfahren NICHT gelitten haben, an ihre Opferrolle als Schlüssel zu ihren eigenen Privilegien. Dies mag ein paar flüchtige Vorteile bringen, ist aber auf lange Sicht verheerend.

Eine gesunde Gesellschaft beruht auf einer Balance zwischen der Achtung des Individuums, ganz unabhängig von seiner Identität oder seiner Herkunft, und dem Bewusstsein, Teil der Menschheit zu sein – mit all ihren Leiden, Freuden, Tragödien und Hoffnungen. Wenn man sich jedoch in einer begrenzten Identitätsgruppe abkapselt, verweigert man sowohl den Respekt vor dem Individuum als auch die Wahrnehmung der universalen Menschheit. Es kann nur Grundlage für endlose Konflikte sein, nach dem Motto „meine Leute sind besser als deine” – „nein, meine Leute sind besser als deine!”. Diejenigen, die einen kurzzeitigen Sieg “erlangen”, indem sie anderen den zerstörerischen Akt eines Bildersturms aufzwingen, bestätigen damit nur, dass ihr einziger Schlüssel zum Erfolg ihre Identifikation als „Verlierer” ist.

Solange derartige Spaltungen Bestand haben, wird sich das amerikanische Volk in Stammes-Scharmützeln aufreiben, während seine verbrecherischen Machthaber fortfahren, die Welt zu verwüsten.

Der Text wurde von Susanne Hofmann übersetzt und erschien zunächst auf globalresearch.ca.

Diana Johnstone lebt seit vielen Jahren in Paris und schreibt als freie Journalistin für verschiedene US- und internationale Medien. Sie ist Autorin mehrerer Bücher, darunter „Die Chaos-Königin: Hillary Clinton und die Außenpolitik der selbsternannten Weltmacht“.

Titelbild: © Diana Johnstone

vom absinkenden niveau und von anderen zeittendenzen — 25. Juni 2019
Woher der Hass kommt? — 22. Juni 2019

Woher der Hass kommt?

von Elmar Benninghaus

Die Frage, woher der Hass kommt,- ist ein bisschen scheinheilig, – oder? Die Frage, woher die Bösartigkeit kommen könnte, fände ich viel ehrlicher. Bau ne Leistungsgesellschaft, am besten noch per Agenda, lass Sprüche wie; „Ende des Schmusekurses“ los, sprich von Winnern and Loosern, erhebe den Egoismus zum ökonomischen Gesetz, fördere dieses „Ich/wir sind besser als der/die da, hetze und hack gewaltig auch noch per Medien auf Arbeitslose ein, beleg sie auch noch mit Sanktionen und verbreite damit Angst und Schrecken bei den Gläubigen dieses Wahnsinns, bring zwischendurch noch ein; „Wir sind Papst“ und überhaupt die King-Käse-Glocken in Europa, – desozialisiere und dehumansisiere alles für den großen Gott; „Markt“, und nenn die Menschen darin auch noch menschliche Ressourcen,- …. ja was glaubt ihr denn, was ihr danach für Barbaren habt?

Begrüßt ihn! — 21. Juni 2019
Hoffmanns Welt — 19. Juni 2019