Baums Notizen aus der Unterwelt.

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Oury Jalloh — 11. Dezember 2017

Oury Jalloh

„Nach zwölf Jahren wird der „Täter“ Oury Jalloh als Opfer von Polizeigewalt anerkannt. Zwölf Jahre! Offensichtlich hat der demokratische Rechtsstaat ein großes Problem.“

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Sprache, Sache, Wahrnehmung — 5. Dezember 2017

Sprache, Sache, Wahrnehmung

Ich hatte vor einiger Zeit einen Text begonnen, der herausarbeiten wollte, wie Sprache unsere Wahrnehmung bestimmt. Da dies aber ein ausgesprochen komplexes Thema ist, habe ich schon nach dem ersten Satz wieder aufgegeben. Ich möchte heute wenigstens zu diesem Thema ein paar Anmerkungen machen. Anlass für dieses Bedürfnis ist die Reflexion von Wolfgang Lieb über die Mediensteuerung des SPD-Parteitages, wobei es mir nicht so sehr darum geht, wie die Medien das Verhalten der SPD-Oberen bestimmen, sondern wie versucht wird – zum Beispiel durch die Medien – unsere Wahrnehmung zu steuern.

Mit zunehmender Lebenserfahrung hat sich mir bestätigt, was ich als Student der Philosophie mehr ahnte als wusste, nämlich, dass die Art und Weise, wie wir Dinge, Gegenstände, Sachverhalte wahrnehmen, abhängig ist von der sprachlichen Beschaffenheit unseres Bewußtseins. Ein damaliger Freund von mir, der Kunst studierte, war der Auffassung, das Studium der Philosophie, die Arbeit an der sprachlichen Bewußtseinsformung sei schädlich für den bildhaft gestaltenden Künstler. Auch andere Kommilitonen, die sich ungern anstrengten, waren eher denkfeindlich, betteten ihr Hirn gern in Watte.

Was diese Studenten nicht wahrhaben wollten, wissen aber sehr wohl die Meinungsmacher, die Kampagnenfuzzis der Parteien und Interessengruppen. Es wissen auch die Werbeagenturen. Das heißt, sie wissen, wie man einem Produkt oder einem Politiker ein positives Image verpasst. Oder ein negatives.

Im Falle Guttenbergs leisteten die meisten Medien Imagehilfe, um den Mann im allerbesten Licht erscheinen zu lassen; im Fall der Frau Ypsilanti hakte man sich fest beim Vorwurf des Wortbruchs und der Lüge.

Wir sind im positiven wie im negativen Sinne beeinflussbar. Als ich 1991 meine Tätigkeit als museumspädagogischer Leiter der documenta 9 aufnahm, ging das schon am ersten Tag los, dergestalt, dass mir eine vom Rathaus freigestellte Mitarbeiterin, die ihr Dienstherr schon seit längerem ins Museum Fridericianum abgeschoben hatte, dass sie mir erzählte, vor wem ich alles auf der Hut sein müsste. Die Frau betrieb üble Nachrede gegen ihre KollegInnen und unterstellte fast jedem zwielichtige Motive des Handelns. Dieses Gerede hatte zunächst meine Wahrnehmung meiner neuen KollegInnen beeinflusst, und es hat eine Weile gedauert, bis ich das durchschaute.

Unsere Wahrnehmung wird beeinflusst durch das, was man uns einredet; und wenn wir etwas richtig und zutreffend wahrnehmen, wird uns dann eingeredet, dass wir uns mit der Beurteilung des Wahrgenommen täuschen müssen.

Wer diesem Phänomen der Verunsicherung nachgehen möchte, dem seien zwei, drei, vier Filme empfohlen, allen voran natürlich Hitchcocks Rear Window (Das Fenster zum Hof).

James Stewart nimmt das Verschwinden einer Frau wahr, beobachtet ihren Ehemann, wie dieser mehrmals mit einem großen Koffer aus dem Hause geht, und schließt daraus, da die Frau bettlägerig war, dass der Mann sie umgebracht haben muss.

Alle reden zunächst auf ihn ein, dass seine Beurteilung dessen, was er wahrgenommen hat, falsch sein muss ….

In einem anderen Film, in Witness to Murder (Zeugin eines Mordes), nimmt eine Frau, gespielt von Barbara Stanwyck, wahr, wie im gegenüberliegenden Haus ein Mann eine Frau ermordet. Der Frau wird nun von verschiedenen Seiten eingeredet, sie spinne, sie sei nicht richtig im Kopf, leide an Paranoia.

Wahrnehmungsverunsicherung ist unter anderem ebenfalls Thema in Hitchcocks A Lady Vanishes, in Shadow of a Doubt, in Eastwoods Changeling oder in dem französischen Film mit Jean-Louis Trintignant Le Secret (Das Netz der 1000 Augen). Trintignant flieht aus einer Irrenanstalt, in der er festgehalten wurde, weil er von einer staatlichen Schweinerei erfahren hat. Die Staatssender verbreiten nun die Nachricht, dass ein gefährlicher Irrer entflohen sei, vor dem man die Bevölkerung warnen muss.

Man könnte sich in einem solchen Fall selbst befragen. Angenommen, man hätte von einem gemeingefährlichen Flüchtling gehört, hätte sein Bild im Fernsehen gesehen, und plötzlich klingelt es, der Besagte steht vor der Tür und bittet um Einlass.

Wir sind dann in unserem Verhalten schon so manipuliert, dass wir nicht mehr unbefangen entscheiden können.

Und genau dieser Technik der Beeinflussung bedienen sich die Meinungsmacher, die Aktiven der Bewußtseinsindustrie. Als Jauch kurz vor der Hessenwahl bei Gottschalk in „Wetten daß?“ gefragt wurde, wer für ihn in der Politik abschreckend sei, nannte er Frau Ypsilanti als Paradigma eines Wortbruchs. Ein kurzer Satz mit einer millionenfachen Verbreitung.

Die Manipulateure wissen es besser als die Bewußtseinsskeptiker, wie stark sprachliche Benennungen unsere Wahrnehmung, unser Handeln und Urteilen beeinflusst. Selbst bei Beuys war der Begriff des Cerebralen negativ besetzt.

Und last but not least: Negative Erfahrungen werden auf neue, herankommende Situationen übertragen, so daß zum Beispiel der bisher unbekannte Mensch von vorn herein mit Misstrauen „empfangen“ wird.

Sie kriegen’s nicht gebacken — 17. November 2017
katalonien — 28. Oktober 2017
Insektensterben — 21. Oktober 2017

Insektensterben

Ein Beitrag von Troptard

Den Qualitätsmedien ist das immerhin eine Nachricht neben vielen anderen wert: Das dramatische Insektensterben! Unsere Naturwissenschaftler nehmen es inzwischen auch zur Kenntnis und machen sich so ihre eigenen Gedanken und kommen dabei, so wie ihre Kommentatoren, zu teilweise verblüffenden Erkenntnissen: „Jeder kann selbst etwas gegen das Insektensterben tun! Kleingärtner und Hausbesitzer haben am Insektensterben einen erheblichen Anteil.“ Bei den üblichen Verdächtigen ist allerdings die Beweislage noch ungeklärt (mehr zum Thema auf Scienceblogs.de).

Kay Sokolowsky wird da in seiner Serie „Die Spezies hats verkackt“ wesentlich deutlicher.
Hier nur ein kleiner Auszug aus seinem umfangreichen Text:

„In den leistungsstärksten Hirnen, welche die terrestrische Evolution hervorbrachte, ist etwas gräßlich Primitives eingebaut, eine Gangster- und Killermentalität, ein maßloser Egoismus, und deshalb, vermute ich, nehmen wir Menschen Nachrichten vom Untergang unserer Welt so gelassen hin wie die Mitteilung, daß im Klo der Nachbarn was verstopft ist. “

http://www.kaysokolowsky.de/die-spezies-hats-verkackt-6/#more-13114

Apanage als soziales Verhältnis — 2. Oktober 2017

Apanage als soziales Verhältnis

 

ODER SIE DA OBEN – WIR DA UNTEN …

Glosse von Richard Albrecht

Das deutschsprachige Netzlexikon wikipedia definiert “Apanage (französisch aus mittellateinisch appanare = mit Brot versorgen)“ als “die Abfindung der nichtregierenden Mitglieder eines Adelsgeschlechts mit Landbesitz, Einkünften aus Liegenschaften oder Geldzahlungen zur Ermöglichung eines standesgemäßen Lebenswandels.“[1]

In neuzeitlichen Deutschlanden gab´s Apanagen wie im bis 1945 realexisterenden Preußen als Belohnung für tapfere Krieger wie soldatische Spieße. Diese Friedrichwillem-Günstlinge durften dann als Lehrer ihr Restleben lang das Jungvolk jeweils vier Jahre lang mit Grundrechnen, bissl Lesen und reichlich Drill und Prügel versorgen.

Die Ehrensold genannte Apanage für ExBundeskanzler Sch.[2] beträgt dem SPIEGEL zufolge[3] in diesem Jahr, 2017, für´s Berliner Büro 561.000 €uro als Teil seines ´standesgemäßen Lebenswandels´. Und soweit ich weiß sind nach´m Einkommenssteurgesetz die 561.000 € im laufenden Jahr steuerfrei.

Es geht um 1.537 € täglich für den heuer 73jährigen Herrn Sch. Für 1.500 € am Tag könnte sich dieser Ex-Spitzensozi eine Edelnutte als Fickmaus im Büro etwa 374 Tage im Jahr leisten. Also und weil er seit Herbst 2005 kein Spitzenpolli mehr ist, keine hauptstädtische Spitzennutte für 3.500 € täglich … aber immerhin für 1.500 € jeden Tag, den Gott im Jahr 2017 werden läßt, eine. Und dazu noch eine an neun Tagen im Jahr.

Mannomann, das wär was für Multi-Ex. Sch. .. und das ganze wär´ im Vergleich zu den weiland Nuttenflügen der Peter-Hartz-IV-Clique[4] nach Brasilien Anfang der Nullerjahre erstens preisgünstig; zweitens würde der innere (Sex)Markt gestärkt; und drittens bliebe das Geld im Land.

Nur – wohin mit den restlichen 37 € am Tag? Diese 1.110 € monatlich sind für die Vielen da unten nicht zu verachten. Diese 37 € täglich oder 1.110 € monatlich wären als gesetzliche Standardrente etwas mehr als das rechnerisch ermittelbare monatliche Rentennetto (etwa 1.097 € des typischerweise männlich-fiktiven “Eckrentners” der gesetzlichen Rentenversicherung: 1.231 € abzüglich 10.9 Prozent, etwa 134 €).

Bleibt die Doppelfrage: Wieviel Millionen Rentner(innen) da unten – mich eingeschlossen – haben nicht mal diese monatliche Nettorente? Und warum ist die auf Grundlage der Sch.-Apanage ermittelte Nettorente in Höhe von 1.110 € monatlich nicht die gesetzliche Mindestrente in Ganzdeutschland?

[1]

https://de.wikipedia.org/wiki/Apanage

[2]

https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Schr%C3%B6der

[3] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gerhard-schroeder-altkanzler-erhaelt-561-000-euro-fuer-buero-aus-staatskasse-a-1170471.html

[4]

Zum “Nuttenkanzler Schröder” (Martin Blumentritt) s. anstatt weiterer Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ 300905; 121105; 070506; 131106; 050107; 180107)

http://www.scharf-links.de/45.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=62420&tx_ttnews[backPid]=16&cHash=f573261732