Baums Notizen aus der Unterwelt.

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Abschied von der Materie — 27. Mai 2016

Abschied von der Materie

oder: Warum die Kunstausbildung in Kassel

sich selbst aufheben möchte

Die folgende Glosse habe ich vor 15 Jahren verfasst, mir scheint aber, sie ist immer nochm aktuell, zumindestens was den Aspekt der Anpassung an den neoliberalen Zeitgeist betrifft. In der Glosse wird auch Roland Koch erwähnt. Heute las ich irgendwo im Netz, er sei verantwortlich für den Ruin der Firma Bilfinger.

 

Als ich vor einigen Jahren von Hamburg aus noch regelmäßig Pakete an meine Tochter schickte, pflegte der Schalterbeamte ebenso regelmäßig zu sagen: >>Ab nach Kassel.<< Er konnte nicht wissen, daß es sich selbst für Paketinhalte lohnte, diese Reise anzutreten, denn in Kassel gab es ein von unbeugsamen Künstlern bevölkertes Refugium, das, wie einst die Gallier in Kleinbonum den Römern, dem globalen Neoliberalismus und seinen Geschäftsführern, den Politikern, trotzte. Neoliberalismus bedeutet: der scheinbar unaufhaltsame Siegeszug des wirtschaftlichen Denkens, demzufolge sich alles rechnen muß. Was keinen Profit abwirft, wird abgeschafft, und wer sich vom Renditedenken nicht gleichschalten läßt, wird ausgegrenzt. Ein gänzlich anderes Klima herrschte an der Kunsthochschule in Kassel, denn dort war das utopische Denken in jenen Jahren noch Zuhause. Wer an der kalten Realität des Nützlichkeitskalküls litt, weinte vor Freude, wenn er die programmatischen Statements im Katalog zur Ausstellung KünstlerProfessorInnen (Kasseler Kunstverein 1996) las: Dort wurde verkündet, in Kassel sei die Oase des Humanismus zu finden, jene an Goethes Faust erinnernde Wirklichkeit: >Hier bin ich Künstler, hier kann ich sein.< Und wo man sein kann, da wird Offenheit statt Ausgrenzung praktiziert. >>Offenheit<<, so Heiner Georgsdorf in seinem Vorwort des Kataloges, sei >>ein hervorstechendes Merkmal der [in Kassel lehrenden] KünstlerProfessorInnen. Offenheit im Kunstbegriff wie in der Lehre.<<

Als Beleg für dieses äußerst menschenfreundliche Klima an der Kunsthochschule referiert Georgsdorf unter anderem die Position des dort lehrenden documenta-Künstlers Alf Schuler: >>Offenheit […] heißt, >neugierig sein auf das, was andere machen<, bereit sein, anderes verstehen zu wollen. Heißt auch, mit der eigenen Auffassung, mit der eigenen Kunst zurückhaltend zu operieren, das eigene Konzept nicht aufzwingen zu wollen.<<

Georgsdorf behauptet nun, daß diese Art der Offenheit, die an anderen Hochschulen sich nur im >>günstigsten Fall<< finden lasse, in Kassel die Regel sei.

Angesichts solch geballter Toleranz und Weisheit der Lehrenden wird einem so richtig warm ums Herz, und man möchte gar dahinschmelzen, schlägt man im Katalog die Seiten jener KunststudentInnen auf, die von Urs Lüthi, einem weiteren ehemaligen documenta-Teilnehmer, betreut werden. Die dort sich findenden Äußerungen stehen unter dem Motto: >>ART FOR A BETTER WORLD.<< Urs Lüthi selbst hält sich gänzlich zurück, läßt statt seiner die bei ihm studierenden jungen KünstlerInnen zu Wort kommen. Auf einer Doppelseite finden sich all ihre Namen in Weiß auf Grau. Und in großer schwarzer Schrift der fettgedruckte Satz: >>WIR HABEN DEN TRAUM VON EINER WELT…<< Es folgen fünfundzwanzig Seiten mit Konterfeis der Träumenden, die überdruckt sind mit je einer Fortschreibung des vorangegangen Hauptsatzes. Eine davon lautet: >>…WO EINE WAHRHEIT DIE ANDERE NICHT AUSSCHLIESST…<<

Nun, das war 1996! Zehn Jahre nach Tschernobyl. Doch im Gegensatz zur radioaktiven Materie hat die Halbwertszeit von Utopien seit dem Fall der Mauer stetig und rapide abgenommen. Die derzeitige und künftige Realität an der Kunsthochschule in Kassel hat wenig zu tun mit den schönen Worten, in denen Heiner Georgsdorf das Hochglanz-Bild einer Ausnahme-Akademie entwirft. Die Regierung des Landes Hessen unter Roland Koch (die Polemik lassen wir mal weg) hat – in moderater Fortführung dessen, was unter Hans Eichel gnadenlos begann – der HBK zur Auflage gemacht, jährlich zwei Stellen abzubauen, bis am Ende ein abgespeckter Lehr- und Verwaltungskörper von fünfundsiebzig Beamten beziehungsweise Angestellten übrigbleibt. Die Handlungsmaxime, für die einen die Diäten, für die anderen die Diät, hat bekanntermaßen ausgrenzende Wirkung, an deren skandalösen Charakter sich die Gesellschaft gewöhnt hat wie an ein schleichendes Gift, das Gift der Resignation, der Ohnmacht oder der Gleichgültigkeit. Und die Administratoren der Hochschule, so hat es den Anschein, arbeiten bereitwillig dem Begehren der Landesregierung entgegen.

Die >staatlich< betriebene Vernichtung von Arbeitsplätzen, die man >Sanierung des Haushaltes< nennt, tritt nun in eine denkwürdige Konstellation mit dem Bewußtsein einer nicht mehr ganz taufrischen Avantgarde, die sich dadurch definiert, daß sie die Einübung in handwerkliche Grundtechniken für überflüssig hält. Die von Georgsdorf 1996 dargestellte Position von Professor Norbert Radermacher, einem weiteren documenta-Künstler, konstruiert gar einen Gegensatz zwischen der Erlernung des Zeichnens und dem Vertrauen der StudentenInnen auf ihre eigenen Empfindungen und ihr eigenes Denkvermögen. Die Offenheit und Bereitschaft der KünstlerprofessorInnen, auf die unmittelbare Befindlichkeit der StudentInnen einzugehen, sie dort – wie es in theologischer Hermeneutik heißt – abzuholen, wird jedoch undankbarerweise nicht von allen Lernenden angenommen. Heiner Georgsdorf: >>Je mehr in der Kunst alles möglich scheint und sich die Grenzen bis hin zum Beliebigen weit geöffnet haben, je stärker wird bei manchem der Wunsch nach ‚richtiger‘ Malerei, nach ‚klassischen‘ Techniken, nach erlernbaren Grundlagen.<<

>>Potz Donner!<<, möchte man ausrufen, kann denn das möglich sein? Und nun wurde gar – anläßlich einer hochschulöffentlichen Klausurtagung Ende Oktober 2000 – darüber beraten und diskutiert, >>ob material- und technikorientierte Studiengänge (wie die Ausbildung in der Keramikwerkstatt [und die in der letzten noch bestehenden Bildhauerwerkstatt]) zukunftsfähig<< seien. Man muß sich das Attribut >zukunftsfähig< einmal auf der Zunge zergehen lassen, denn, wer so redet, hat die Zwänge einer an neoliberale Profitgier angepaßten Politik bereits so verinnerlicht, daß seine geistige Widerstandskraft geschwächt ist. Aufgabe kritischen Denkens wäre es, die künftigen Auswirkungen gegenwärtigen Handelns zu reflektieren. Als zukunftsfähig gilt im Bewußtsein der Durchsetzungsstarken, was im Sinne steigender Renditen funktioniert, und was nicht so funktioniert, wird als zukunftsunfähig ausgeschieden. Dabei ist es doch genau umgekehrt, denn die immer größer werdende Spaltung der Gesellschaft in Besitzende und Besitzlose, in Reiche und Arme, in die, die Arbeit haben, und die, die keine haben, diese wie ein Krebs wachsende Kluft ist es doch gerade, die sich verheerend in der Zukunft auswirken wird. >Nicht zukunftsfähig< ist ein Begriff, der ins Wörterbuch des Unmenschen gehört, er riecht nach Vergasung.

Die Tonangebenden der Kasseler Kunsthochschule überlegen ernsthaft, die letzte der noch bestehenden Bildhauerwerkstätten aufzulösen, sobald der dafür zuständige Professor in Pension gehen wird. Auf jener Klausurtagung wurde nun das Existenzrecht einer Bildhauerwerkstatt mit dem Hinweis verteidigt, daß bei vielen StudentenInnen ein Bedürfnis nach Grundausbildung vorhanden ist. Aber, wie wir bereits ahnen, steht dieses Argument auf schwachen Füßen, bestätigt es doch den Georgsdorfschen Verdacht: Wer nach handwerklichem Können verlangt, kann mit der so großzügig angebotenen Offenheit der Lehrenden nicht umgehen, einer Offenheit, die im übrigen auch darin besteht, daß der eine oder andere Hochschulprofessur durch Abwesenheit glänzt. Doch solche Abwesenheit ist nicht etwa verwerflich, sie dient einem pädagogischen Konzept. Den StudentInnen wird so die Einübung in >traditionelle Verfahren< gezielt entzogen, damit sie lernen, Unsicherheit, diffuse Identität, Orientierungslosigkeit und Selbstzweifel auf Jahre hinaus auszuhalten. Denn nur, wer das schafft, wer sich gegenüber den harten Fakten und den Statusmythen einer marktorientierten Gesellschaft zu behaupten vermag, beweist, daß er über genügend kreative Energie verfügt.

Sieht man aber in einer materialbezogenen Ausbildung im Rahmen einer Bildhauerwerkstatt zum Beispiel einen Gegensatz zur Offenheit, so wird Offenheit zur Phrase, denn erst die Beherrschung künstlerischer Grundtechniken ermöglicht – in einem dialektischen Sinne – wirkliche Offenheit; und substantielle Freiheit – nicht ihre bloße Bekundung – beginnt da, wo man mit den erlernten Fertigkeiten und Fähigkeiten spielerisch umzugehen vermag. Es gehört zu den elementaren Erfahrungen, vorausgesetzt man weiß überhaupt, was das ist, es gehört zu den Erfahrungen künstlerischen Gestaltungswillens, daß es einem nur da gelingt, dasjenige, was man ausdrücken möchte, auch darstellen zu können, wenn man sein Material beherrscht, wenn man die Gesetzmäßigkeiten dieses Materials kennt, mit dem man arbeitet. Es ist ein Mythos, zu glauben, die Einarbeitung in >traditionelle< künstlerische Techniken sei der Ausdifferenzierung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit im Wege.

Daß die Entwicklung eines Künstlers durch Offenheit, Unsicherheit und starke Selbstzweifel hindurch sich durchaus mit dem Erlernen von Grundtechniken verträgt, daß die virtuose Handhabung dieser Techniken ein einmaliges, bisher noch nie dagewesenes Werk hervorzubringen vermag, zeigt das Oeuvre van Goghs, der in den letzten siebzig Tagen seines Lebens in Auvers infolge seiner Meisterschaft in der Lage war, mehr als ein Bild täglich zu malen, unter anderem jenes berühmte Portrait des Dr. Gachet, der wie van Gogh Melancholiker war. Vermittels seines Könnens bringt van Gogh nicht nur die tiefe Traurigkeit im Wesen des Arztes zum Ausdruck, sondern er spiegelt darin auch sich selbst. Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang, daß van Gogh Selbstmord beging, weil glaubte, keine Zukunft zu haben, und daß heute seine Bilder zu Rekordpreisen von den Gewinnern des Marktes gekauft werden. So zynisch kann Geschichte sein.

 

Eines der Argumente, lassen wir einmal dahingestellt, ob es nur vorgeschoben ist und sich hinter ihm ein persönliches, egoistisches Interesse verbirgt, etwa dasjenige, für die eigene >Klasse< mehr Räumlichkeiten zu gewinnen, eines der Argumente, mit denen die Künstlerprofessoren eine hauseigene Bildhauerwerkstatt, eine künstlerische Grundausbildung im Bildhauerhandwerk für überflüssig erklären, lautet: >Im gegenwärtigen Kunstschaffen genügt es, Ideen zu entwickeln und diese, einem Architekt vergleichbar, zu skizzieren. Die eigentliche Realisierung des Kunstwerks könne man dann getrost einem Handwerksbetrieb in der Stadt überlassen.<

 

Schleierhaft bleibt hier zunächst, woher StudentenInnen die pekuniären Mittel nehmen sollen, um Handwerker bezahlen zu können. Radermacher argumentierte: >>Die Gelder, die man für eine Werkstatt einspart, stünden dann den StudentInnen für die Handwerksbetriebe zur Verfügung.<< Sieht man einmal von der Realitätsfremdheit dieser Vorstellung ab und rückt man den monetären Aspekt eines derartigen Modells künstlerischer Hervorbringung gänzlich in den Hintergrund, so läßt sich sagen, daß dieser Kunstbegriff totalitär wird, sobald man die Trennung von Kopf- und Handarbeit zur einzig noch gültigen Form der Kunstproduktion erklärt und das Recht von Studenten auf Erlernung künstlerischer Grundtechniken an einer Kunsthochschule als >nicht zukunftsfähig< verneint. Diese Verneinung wird in Gestalt der Macht des Faktischen praktiziert, wenn man sämtliche Werkstätten, die noch mit realem, statt mit virtuellem Material arbeiten, auflöst und deren Inventar – wie bei einem Konkursverfahren – verschleudert. (So geschah es mit der Arnold-Klasse.) Es bedarf keiner allzu großen Phantasie, sich vorzustellen, daß die Finanzlage der öffentlichen Haushalte sich kontinuierlich verschlechtern wird, und es ist durchaus wahrscheinlich, daß der Wind im >Territorium Artis< eines Tages seine Richtung ändert: Man wird der bloßen Kopfgeburten müde sein und überdrüssig des Unmittelbarkeitsdilletantismus; es könnte geschehen, daß eine sich wandelnde Konjunktur des Bewußtseins nach einer Renaissance der Kunst verlangt, einer Kunst, die auf Materialbeherrschung basiert, aber für die an der Kunsthochschule in Kassel kein Geld mehr da ist, um eine neue Werkstatt einzurichten. Man ist also im Begriffe, auf Jahrzehnte hinaus eine lange Tradition des Kunstunterrichts zu zerstören und sich selbst, mit der Auflösung von Werkstätten, das Wasser abzugraben. Hinzukommt, daß an einer Kunsthochschule nicht nur Künstler für den freien Markt, sondern auch solche ausgebildet werden, die als Lehrer in die Schule gehen. Und was sollen die künftigen Kunsterzieher an den Schulen den kommenden Generationen lehren? Sollen sie sich darauf beschränken, Ideen zu produzieren oder lediglich den Umgang mit dem Computer und der entsprechenden Software zu vermitteln? Unter http://www.mactrade.de oder www.corel.com kann man sich schon einmal über die Kosten informieren.

 

Das entscheidende sachliche Argument aber, das für das sogenannte traditionelle Kunstverständnis spricht, also dafür, daß ein Künstler mehr ist als nur ein Creator oder Produzent von Ideen, sei es nun mit oder ohne Computer, stammt von Hans Jonas. Er schreibt in seinem Prinzip Verantwortung: Die geistige Arbeit – ohne ihr materielles und körperliches Pendant – ist >>ärmer, und zwar in demselben Maße, wie sie physisch ärmer ist! Der Verlust an physischer Mannigfaltigkeit und (Anstrengung!) geht mit dem Verlust an geistigen Tätigkeiten einher. Mit dem Körper wird auch der Geist arbeitslos. […] der leibhafte Umgang mit der Materie belehrt den Leib, die Glieder, die Sinne, die Nerven – und den Geist, indem er sie alle beschäftigt, [sie] mit sich selbst und dem Gegenstand bekannt macht […] und im Widerstand des Stoffes […,] im Zum-Vorscheinkommen seiner Qualitäten die verborgenen Fähigkeiten […] unserer [körperlich-seelisch-geistigen] Ausstattung erst hervorruft. Durch Entzug dieser Nahrung werden sie alle ausgehungert. Die Reduzierung des Physischen auf uniforme Restleistungen […] reduziert auch den Anteil des Geistes an der Arbeit. […] die Trennung von der Materie trennt auch vom Geist.<<

 

Körperliche Arbeit, die dem Geist Erfahrungen und Inhalte zuführt, wird >>der letzte Ort wirklicher Arbeit sein […].<< Sie erfordert ganze[…] Aufmerksamkeit, ganze[…] Mühe, ganze[…] Beteiligung, entsagende[…] Ausdauer, Strenge und Geduld (mit dem Risiko der Enttäuschung)<< und, so möchte ich hinzufügen, mit dem Risiko des Mißlingens eines Kunstwerks, denn die Beherrschung der jeweiligen Materie ist kein Garant für große Kunst. Daß aber die mit Ausdauer betriebene Aneignung künstlerischer Grundtechniken nicht automatisch aus dem >Handwerker< einen Künstler macht, rechtfertigt noch lange nicht, das Kind mit dem Bade auszuschütten und auf das Sich-Hindurcharbeiten durch die Materie zu verzichten.

 

Erhebt man diesen Verzicht aber zum Dogma, arbeitet man dem Traum von einer besseren Welt entgegen, demzufolge die eine Wahrheit die andere nicht ausschließen soll. Die eine Wahrheit wäre zum Beispiel die Arbeit mit dem Computer, der Umgang mit virtueller Realität, die andere wäre der Umgang mit wirklicher Materie. Das Loblied, das Georgsdorf den KünstlerprofessorInnen in Kassel sang und in das die Zeitschrift art (5/1996) anläßlich jener Ausstellung im Jahre 1996 mit einstimmte, erweist sich als hochglanzpolierte Fassade, hinter der es gewaltig stinkt. Wonach? Nach Weihrauch. Nach Mystifikation. Nach Kurzsichtigkeit. Nach Narzißmus. Eben danach, daß man seine eigene Position zum Maßstab für alle erheben möchte. All das begleitet zwar den Kunstbetrieb schon seit Jahrzehnten, hat aber wenig mit kritischer Selbstreflexion und Offenheit im Sinne von Ehrlichkeit zu tun, ohne die es substantielle Kunst nicht geben kann.

 

*

 

Eine ergänzung. Der begriff –nicht zukunftsfähig- entstammt einem frame of reference, dessen wahrheit oder unwahrheit nicht mehr mitreflektiert wird. D.h dieser frame of reference repräsentiert eine machtstruktur oder machtverhältnisse, bei der die politik zur magd der wirtschaft geworden ist. Interesse der wirtschaft ist die gewinnmaximierung (wirtschaft allerdings nur in einem bestimmten sinne. Als die werften in bremerhaven geschlossen wurden, gingen viele geschäfte pleite, weil die ehemaligen werftarbeiter, die dort einzukaufen pflegten als arbeitslose nicht mehr über genügen kaufkraft verfügten. Auch diese geschäfte gehören zur wirtschaft. Wenn man also von wirtschaft spricht, ist die nicht gesamtheit der an der wirtschaft beteiligten gemeint, sondern nur diejenigen, die die wirtschaft dominieren, wie z.b. die großen autokonzerne, die großindustrie. Petersen, der landwirt meinte, auch landwirtschaft ist teil der wirtschaft, die politiker machten politik zugunsten der industrie.

Partikulare interessen, die macht auszuüben in der lage sind, definieren sich als d i e   wirtschaft und blenden bereits hier andere wirtschaftsteilnehmer aus.

>Nicht zukunftsfähig< waren zum beispiel die SCHLESISCHEN WEBER.

Die vernichtung von existenzformen durch die wirtschaftsmächtigen, auch durchsetzungsstarke genannt, gleicht strukturell der vernichtung >unwerten lebens<.

>nicht zukunftsfähig> heißt, wer nicht mitzusingen vermag im vernichtungskampf.

Wer also unreflektiert von >nicht zukunftsfähig< redet, hat bereits innerlich   die regeln der vernichtung resignativ angenommen.

Das erschreckende an diesem vorgang ist nun, wie wenig die zusammenhänge überhaupt noch reflektiert werden.

Auch die firma olympia, die wunderbare schreibmaschinen herstellte, war infolge der computerisierung als schreibmaschinenfirma nicht mehr zukunftsfähig.

Wir befinden uns in einem langen prozess, der sich aber seit dem „fall der mauer“ beschleunigt hat.

Bis dahin war das attribut sozial vor marktwirtschaft das alibi des westens gegenüber dem sozialistischen block, daß die soziale komponente auch ohne „kommunistische“ ideologie wirksam ist.

Neoliberalismus – was den langen prozess betrifft – ist die wiederkehr des liberalismus des 19.jahrhunderts. siehe dickens.

 

HANS JONAS; Prinzip Veranwortung: 351

 

Wird der mensch „reicher“, wenn er frei ist von körperlicher arbeit?

 

Die geistige Arbeit – ohne ihr materielles und körperliches Pendant – ist „geistig ärmer, und zwar in demselben Maße, wie sie physisch ärmer ist!

 

Der Verlust an physischer Mannigfaltigkeit und (Anstrengung!) geht mit dem Verlust an geistigen Tätigkeiten einher. Mit dem Körper wird auch der Geist arbeitslos. […] der leibhafte Umgang mit der Materie belehrt den Leib, die Glieder, die Sinne, die Nerven – und den Geist, indem er sie alle beschäftigt, [sie] mit sich selbst und dem Gegenstand bekannt macht (keines ohne das andere!) und im Widerstand des Stoffes und im Zum-Vorscheinkommen seiner Qualitäten die verborgenen Fähigkeiten dieser unserer Ausstattung erst hervorruft. Durch Entzug dieser Nahrung werden sie alle ausgehungert. Die Reduzierung des Physischen auf uniforme Restleistungen … reduziert auch den Anteil des Geistes an der Arbeit. Und ganz allgemein: die Trennung von der Materie trennt auch vom Geist. […]“

Körperliche Arbeit, die dem Geist Erfahrungen und Inhalte zuführt, wird „der letzte Ort wirklicher Arbeit sein […].“ Sie erfordert ganze… Aufmerksamkeit, ganze… Mühe, ganze… Beteiligung, entsagende… Ausdauer, Strenge und Geduld (mit dem Risiko der Enttäuschung).“

 

Robert Hughes, denn ich bin nichts, wenn ich nicht lästern darf.

 

518: Meisterwerk: „früher bezeichnete es einmal ein Werk, das bewies, daß ein Künstler seine Reife und den Höhepunkt seines handwerklichen Könnens erlangt hat, doch heute meint man damit ein Objekt, dessen Aura und Mythos die Leute kurzzeitig blind und in ihrem Urteil ängstlich werden lassen. Das Ganze hat viel mehr mit Statusmythen zu tun als mit Vergleichsprozessen…..“

 

zuvor hieß es: „Der Markt ist ständig dabei, Kunstwerke in passive Fiktionen der Ewigkeit und Unveränderlichkeit zu verwandeln, der transzendenten Werte, für die kein Preis zu hoch sein kann. Wenn das Wort unbezahlbar auftaucht, hat das Feilschen gerade erst begonnen. Das erklärt den angeschlagenen Zustande des Wortes Meisterwerk.“

hughes, bilder von amerika. 600/601

 

Eric Fischl „hatte das Pech, in den frühen siebziger Jahren seinen Malunterricht im California Institute for the Arts in Los Angeles zu erhalten – gerade zu der Zeit, als in amerikanischen Kunstkreisen die Ansicht weitverbreitet war, die Malerei sei tot. Cal Arts war der Inbegriff des Leichtsinns, mit dem Kunst im Rahmen der späten Moderne gelehrt wurde. Die einzige Aktklasse, in der noch ernsthaft gezeichnet wurde, gehörte zur Trickfilmabteilung der Filmschule, weil ein Student, der in die Fußstapfen großer Trickfilmzeichner treten wollte, doch richtig zeichnen können mußte. Solche Bedingungen galten nicht für dem Möchtegernkünstler. Ein Kunstunterricht, der seine eigenen Maßstäbe aufhebt, kann in ein, zwei Generationen eine lange Tradition dadurch zerstören, daß grundlegende Fertigkeiten nicht mehr gelehrt werden, und genau das geschah zwischen 1960 und 1980 mit der Aktmalerei in der USA.“

Was verlorenging, war „Meisterschaft im Detail, virtuose Pinseltechnik und eine Sicherheit in der zugrundeliegenden Zeichnung…..“

 

Interview zu Frankreich — 26. Mai 2016

Interview zu Frankreich

Achtminütiges Interview mit der Sorbonne-Professorin Valérie Robert über die Situation in Frankreich: „Bürger sollen Angst haben, zu demonstrieren“

Sie scheint mir sehr nett zu sein. Ein tweet von ihr nebst Antworten: In der Unibibliothek in Frankfurt/M soll es ein Exemplar der Kritik der reinen Vernunft geben, das von Anfang bis Ende unterstrichen ist.


PS. von KB: Vielleicht hatte ich es schon mal hochgeladen, aber mein Exemplar der Ästhetischen Theorie von Theodor W. Adorno (es kommt zwar an das Kant-Exemplar nicht heran) weist auch viele Anstreichungen auf.

 

 

 

adorno lesen.1400

 

 

Das Foto bitte 2 mal nacheinander anklicken, dann kann man auch den Text lesen.

 

Wir sind ein Land der Opfer geworden —

Wir sind ein Land der Opfer geworden

POLITISCHES FEUILLETON | Beitrag vom 25.05.2016
Populismus
Wir sind ein Land der Opfer geworden
Von Christian Schüle

Neben Linkspartei nutzen auch Pegida und AfD die Opfer-Rhethorik, meint Christian Schüle.
Populistische Bewegungen und Parteien erleben in Europa wieder starken Aufwind – von rechts wie von links. Deren Botschaft lautet „Ihr seid Opfer, und wir sind die Einzigen, die euch verstehen“, meint der Philosoph Christian Schüle. Einen Ausweg sieht er nur in mühsamer Demokratie-Arbeit.

http://www.deutschlandradiokultur.de/populismus-wir-sind-ein-land-der-opfer-geworden.1005.de.html?dram:article_id=355100

Sprache, die Verachtung signalisiert —

Sprache, die Verachtung signalisiert

„Rechte Terminologie verwende die alte Technik, fremde Gruppen von Menschen zum „Freiwild“ zu erklären, um das eigene Wir-Gefühl zu stärken, meint die Dresdner Journalistin und Trauma-Therapeutin Astrid von Friesen. Dieser Entzivilisierungs-Prozess bereite den Boden für Gewalt.“

http://www.deutschlandradiokultur.de/terminologie-der-rechten-sprache-die-verachtung-idealisiert.1005.de.html?dram:article_id=355213

Michael Marten über das Diakonissenkrankenhaus Flensburg — 25. Mai 2016

Michael Marten über das Diakonissenkrankenhaus Flensburg

Ich fall hier gerade mal wieder vom Glauben ab.
Das örtliche zuständige (kirchliche!!!!!!!!!!!!!!) Akutkrankenhaus weißt jetzt zum 2. mal eine schwerkranke, fast blinde und gehörlose 90jährige Patientin mit der Begründung ab, sie wäre nicht tragbar aufgrund des hohen Hilfebedarfs.

Was bitte ist mit unserem Gesundheitssystem nicht in Ordnung, wenn Krankenhäuser nur noch Patienten nehmen, die sich am allerbesten selbst versorgen können?
Geht es noch, liebes Diakonissenkrankenhaus in Flensburg????

Rainer Kahni schreibt: —

Rainer Kahni schreibt:

 

„Wir stehen vor einer Katastrophe unvorstellbaren Ausmasses und tun absolut nichts dagegen. Angesichts dieser verbrecherischen Kriegshetze müssen Millionen von Menschen in Europa auf die Strassen gehen und den Politikern in den Arm fallen. Tun sie es nicht, dann werden ihre Kinder eines Tages auf ihre Gräber spucken!“

„Die Anzeichen sind mehr als deutlich: Die USA wollen die militärische Auseinandersetzung mit Russland! Afghanistan hat sich erledigt, der Irak hat sich erledigt, Syrien hat sich erledigt, Libyen hat sich erledigt. Überall herrscht Chaos! Es gibt dort nichts mehr zu verdienen. Man könnte ja noch ein bisschen zündeln im Iran, dann wäre Israel zufrieden. Doch das alles bringt kein Geld in die Kassen der US – Konzerne, Lobbyisten, Banken und Börsen – Gurus. Die europäischen Regierungen wurden bereits auf den Waffengang mit Russland eingeschworen und folgen treu und brav dem Szenario des Untergangs. Sie sind nichts anderes mehr, als willfährige Vasallen der USA. Quo vadis? Die USA sind dabei, Russland einzukesseln. Im schwarzen Meer üben US – Marine – Verbände, im Kaukasus destabilisieren die US – Geheimdienste bereits Regierungen. In der Urkaine wurde ein US – höriger Oligarch als Marionette eingesetzt, verdeckte Söldner der USA und marodierende faschistische Freicorps hetzen gegen Russland. Im Baltikum werden US – Panzer stationiert, Paraden amerikanischer Streitkräfte werden dort zelebriert. In Norwegen üben zum ersten Male nach fast vierzig Jahren tausende von Soldaten an der russischen Grenze. Doch die USA sprechen unablässig von der Bedrohung durch die Russen? In den sozialen Netzwerken werden Bildchen von herzigen Blumen und süßen Tierchen gepostet, die Bevölkerung wird von den Mainstream – Medien dumm gehalten. Nur wenige Menschen begreifen, was sich gerade abspielt. “

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