Notizen aus der Unterwelt.

Der kritische Blog von Klaus Baum – jetzt mobile-friendly

Ein böser Kalauer … — 15. Januar 2018

Ein böser Kalauer …

… aus der Zynismuskiste der Neoliberalen:

Obdachlooser.

Ich übernehme den Rat von Ossiblock und schreibe:

Obdach-Loser.

Marlis meint: Der Kalauer funktioniert nur auf der Hör-Ebene.

Advertisements
Aus dem aktuellen Newletter (2/2018) von Harald Thomé — 13. Januar 2018

Aus dem aktuellen Newletter (2/2018) von Harald Thomé

1. Umrisse einer Großen Koalition, Folgen und Aufgaben


Die Leitlinien einer GroKo stehen, es wird eine „weiter so“ / „uns geht es so gut“ – Politik anhand der Ergebnisse der Sondierungsgespräche geben.

Hier erstmal die Ergebnisse der Sondierungsgespräche: http://www.portal-sozialpolitik.de/uploads/sopo/pdf/2018/2018-01-12_Sondierungsergebnis_PS.pdf

Stefan Sell bewertet den Bereich Arbeitsmarkt und Arbeitsrecht: https://tinyurl.com/ycczlz2k
Pro Asyl sagt zu den bisher bekannt gewordenen Ergebnissen der Sondierungsgespräche: Sieg der Hardliner über Humanität und Menschenrechte
dazu hier: https://tinyurl.com/y7tlys7a

Eine Kurzzusammenfassung von Katja Kipping dazu: https://tinyurl.com/yah89v7l

Neues Deutschland sagt dazu: SPD einigt sich im Sondierungspapier mit der Union auf konservative Politik, weiter: https://tinyurl.com/yat7ot5v

Ergebnis: im sozialen Bereich wird sich nicht verändern, die Agenda-2010-Politik wird von den Sozialdemokraten nahtlos weitergeführt. 

Prognose: die SPD wird nach der Beendigung der GroKo mit rund 10 % in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Ehrlich gesagt, ist das dann auch richtig.
Die Folgen für das Land werden dramatisch sein: durch den dauerhaften Verrat der SPD an sozialdemokratischen Idealen wird die SPD im Nachkriegsdeutschland Wegbereiter der Etablierung einer faschistischen Partei werden.
Daher müssen die Menschen – konkret wir – unsere Belange selbst in die Hand nehmen, uns konsequent einsetzen, gegen soziale Ausgrenzung, zu geringe Hartz IV-Leistungen, gegen verfassungswidrige Sanktionen, Behördenwillkür und Unrecht, gegen die Ausplünderung der Erde vor Kapitalinteressen, gegen alte und neue Nazis und für ein solidarisches Miteinander.

QUELLE: http://tacheles-sozialhilfe.de/startseite/tickerarchiv/d/n/2297/

Vom Tod im Jobcenter – wie das Gesetz das soziale Klima veränderte — 29. Dezember 2017
Oury Jalloh — 11. Dezember 2017
Sprache, Sache, Wahrnehmung — 5. Dezember 2017

Sprache, Sache, Wahrnehmung

Ich hatte vor einiger Zeit einen Text begonnen, der herausarbeiten wollte, wie Sprache unsere Wahrnehmung bestimmt. Da dies aber ein ausgesprochen komplexes Thema ist, habe ich schon nach dem ersten Satz wieder aufgegeben. Ich möchte heute wenigstens zu diesem Thema ein paar Anmerkungen machen. Anlass für dieses Bedürfnis ist die Reflexion von Wolfgang Lieb über die Mediensteuerung des SPD-Parteitages, wobei es mir nicht so sehr darum geht, wie die Medien das Verhalten der SPD-Oberen bestimmen, sondern wie versucht wird – zum Beispiel durch die Medien – unsere Wahrnehmung zu steuern.

Mit zunehmender Lebenserfahrung hat sich mir bestätigt, was ich als Student der Philosophie mehr ahnte als wusste, nämlich, dass die Art und Weise, wie wir Dinge, Gegenstände, Sachverhalte wahrnehmen, abhängig ist von der sprachlichen Beschaffenheit unseres Bewußtseins. Ein damaliger Freund von mir, der Kunst studierte, war der Auffassung, das Studium der Philosophie, die Arbeit an der sprachlichen Bewußtseinsformung sei schädlich für den bildhaft gestaltenden Künstler. Auch andere Kommilitonen, die sich ungern anstrengten, waren eher denkfeindlich, betteten ihr Hirn gern in Watte.

Was diese Studenten nicht wahrhaben wollten, wissen aber sehr wohl die Meinungsmacher, die Kampagnenfuzzis der Parteien und Interessengruppen. Es wissen auch die Werbeagenturen. Das heißt, sie wissen, wie man einem Produkt oder einem Politiker ein positives Image verpasst. Oder ein negatives.

Im Falle Guttenbergs leisteten die meisten Medien Imagehilfe, um den Mann im allerbesten Licht erscheinen zu lassen; im Fall der Frau Ypsilanti hakte man sich fest beim Vorwurf des Wortbruchs und der Lüge.

Wir sind im positiven wie im negativen Sinne beeinflussbar. Als ich 1991 meine Tätigkeit als museumspädagogischer Leiter der documenta 9 aufnahm, ging das schon am ersten Tag los, dergestalt, dass mir eine vom Rathaus freigestellte Mitarbeiterin, die ihr Dienstherr schon seit längerem ins Museum Fridericianum abgeschoben hatte, dass sie mir erzählte, vor wem ich alles auf der Hut sein müsste. Die Frau betrieb üble Nachrede gegen ihre KollegInnen und unterstellte fast jedem zwielichtige Motive des Handelns. Dieses Gerede hatte zunächst meine Wahrnehmung meiner neuen KollegInnen beeinflusst, und es hat eine Weile gedauert, bis ich das durchschaute.

Unsere Wahrnehmung wird beeinflusst durch das, was man uns einredet; und wenn wir etwas richtig und zutreffend wahrnehmen, wird uns dann eingeredet, dass wir uns mit der Beurteilung des Wahrgenommen täuschen müssen.

Wer diesem Phänomen der Verunsicherung nachgehen möchte, dem seien zwei, drei, vier Filme empfohlen, allen voran natürlich Hitchcocks Rear Window (Das Fenster zum Hof).

James Stewart nimmt das Verschwinden einer Frau wahr, beobachtet ihren Ehemann, wie dieser mehrmals mit einem großen Koffer aus dem Hause geht, und schließt daraus, da die Frau bettlägerig war, dass der Mann sie umgebracht haben muss.

Alle reden zunächst auf ihn ein, dass seine Beurteilung dessen, was er wahrgenommen hat, falsch sein muss ….

In einem anderen Film, in Witness to Murder (Zeugin eines Mordes), nimmt eine Frau, gespielt von Barbara Stanwyck, wahr, wie im gegenüberliegenden Haus ein Mann eine Frau ermordet. Der Frau wird nun von verschiedenen Seiten eingeredet, sie spinne, sie sei nicht richtig im Kopf, leide an Paranoia.

Wahrnehmungsverunsicherung ist unter anderem ebenfalls Thema in Hitchcocks A Lady Vanishes, in Shadow of a Doubt, in Eastwoods Changeling oder in dem französischen Film mit Jean-Louis Trintignant Le Secret (Das Netz der 1000 Augen). Trintignant flieht aus einer Irrenanstalt, in der er festgehalten wurde, weil er von einer staatlichen Schweinerei erfahren hat. Die Staatssender verbreiten nun die Nachricht, dass ein gefährlicher Irrer entflohen sei, vor dem man die Bevölkerung warnen muss.

Man könnte sich in einem solchen Fall selbst befragen. Angenommen, man hätte von einem gemeingefährlichen Flüchtling gehört, hätte sein Bild im Fernsehen gesehen, und plötzlich klingelt es, der Besagte steht vor der Tür und bittet um Einlass.

Wir sind dann in unserem Verhalten schon so manipuliert, dass wir nicht mehr unbefangen entscheiden können.

Und genau dieser Technik der Beeinflussung bedienen sich die Meinungsmacher, die Aktiven der Bewußtseinsindustrie. Als Jauch kurz vor der Hessenwahl bei Gottschalk in „Wetten daß?“ gefragt wurde, wer für ihn in der Politik abschreckend sei, nannte er Frau Ypsilanti als Paradigma eines Wortbruchs. Ein kurzer Satz mit einer millionenfachen Verbreitung.

Die Manipulateure wissen es besser als die Bewußtseinsskeptiker, wie stark sprachliche Benennungen unsere Wahrnehmung, unser Handeln und Urteilen beeinflusst. Selbst bei Beuys war der Begriff des Cerebralen negativ besetzt.

Und last but not least: Negative Erfahrungen werden auf neue, herankommende Situationen übertragen, so daß zum Beispiel der bisher unbekannte Mensch von vorn herein mit Misstrauen „empfangen“ wird.

Sie kriegen’s nicht gebacken — 17. November 2017